Man könnte es ein Naturgesetz nennen: Wer Macht hat, will noch mehr Macht, mit List – und wenn das nicht gelingt – mit Gewalt! Schon bei den ersten Stadtkulturen begann, was Niccolo Machiavelhi im 16. Jahrhundert über volksnahe naturrechtliche Autorität einerseits und auf Gewalt gründende andererseits schrieb: Wo es Republiken gegeben habe, deren wehrfähige Bewohner sich und die Polis mit eigenen Waffen verteidigten, wurden sie kaum je von einem ihrer Mitbürger unterjocht. Die Spartaner und Römer seien viele Jahrhunderte lang bewaffnet – und frei gewesen – und die Schweizer seien es immernoch!

Sie blieben es mit Wehrbereitschaft und Glück bis heute. Am 13. Februar 2011 steht nun aber zur Disposition, was in den alten Landsgemeindeorten aus den «Allmigen» und in den Städten aus Zünften und Burgerschaften im Widerstand gegen Adel und Aristokratie hervorgegangen, als Milizsystem sich alllmählich entwickelt und in die Verfassung der modernen Schweiz 1848 Eingang gefunden hat: Der Bürgersoldat! «Der Bürger verteidigt die Freiheit mit dem Stimm- und Wahlrecht gegen die Erosion im Innern, mit der Waffe gegen die Bedrohung von aussen. Der mündige Bürger ist Souverän. Der mündige Bürger ist Soldat» (BR Ueli Maurer). Als Beweis seiner Wehrhaftigkeit und Mündigkeit gilt deshalb in Innerrhoden bis heute das Seitengewehr oder Degen als Stimmausweis an der Landsgemeinde.

«Keine Regierung und keine Bataillone vermögen Recht und Freiheit zu schützen, wo der Bürger nicht imstande ist, selber vor die Haustür zu treten», schreibt Gottfried Keller im «Fähnlein der sieben Aufrechten». Deshalb müsse das Gewehr «unverrückt zwischen Bett und Schrank stehen bleiben!» – als Garantie für die Erhaltung der Demokratie, denn die wird ewig gegen Machtanmassung von innen und aussen verteidigt werden müssen. Alle Macht geht ja vom Volk aus, auch das Gewaltmonopol ist dem Staat nur geliehen. Das wurmt und stört die Mächtigen: Sie entwaffnen den Bürger mit List, um bei Gelegenheit auch mit Gewalt die unbequeme Demokratie abschaffen zu können.

Der Kluge merkts - und stimmt Nein zur verlogenen und von der EU diktierten Waffenschutzinitiative.

Leserbrief von Oskar B. Camenzind,
Brunnen SZ

14.01.2011 | 1270 Aufrufe