Die kürzlich erschienenen Militärerinnerungen von Hans Fehr haben beflügelt und machten wieder jung. Ich habe seinerzeit die Dragoner-RS in Aarau absolviert und war als Jus-Student unter meinen Kameraden aus dem Bauernstand etwas jung und vorwitzig und bei Prüfungen stets der Beste und glaubte, mir einige Streiche leisten zu können. Da musste ich meist am Mittwochabend in die Küche, wenn fakultatives Nachtessen war. Für eine ganze Kompanie von 210 Mann musste ich einen Cervelatsalat machen, zuerst schälen, dann feine Scheiben schneiden. Der Küchenchef hat mich professionell instruiert. Als dann die Zwiebeln zu schneiden waren, holte ich rasch die Schutzmaske, um nicht «weinen» zu müssen. Gerade als ich mit der Schutzmaske samt Radio munter wirkte, kam das ganze «Rösslispiel» (Schulstab) mit dem Schulkommandanten Oberst Blumer, und ich meldete lautstark: «Herr Oberst, Rekrut Schärer beim individuellen Schutzmaskentraining!» Da stämpfelte der Oberst vor Begeisterung und rief: «Hier sehen wir einen Rekruten, der lage- und auftragsgerecht den richtigen Entscheid trifft, um seinen Auftrag zu erfüllen!» Und er liess mich die Küche abmelden.

Am andern Morgen stand er mit dem Rösslispiel am Antrittsverlesen und rief mich nach vorne. Der abverdienende Kompaniekommandant, Oberleutnant Gugelmann von der Leinenweberei Langenthal, fils à papa, Herrenreiter und mit Rolls Royce einrückend, schaute verblüfft. Da lobte Blumer mein vorbildliches Training mit der Schutzmaske, weil das damals sehr unbeliebt war, gab mir von Donnerstagmorgen bis am Montagabend Urlaub und verkündete, ich sei der erste, dem er den Vorschlag für die Unteroffiziersschule gebe. Ohne dieses Ereignis hätte ich niemals eine militärische Karriere gemacht.

Roger E. Schärer, Oberst aD, Feldmeilen

12.07.2018 | 1732 Aufrufe