«Ojemine» – wie soll man noch wissen, was Recht oder Unrecht ist. Darf man noch selber denken, ohne dass man durchdreht?

Da wird über den Fussgängerstreifen gelästert und geschrieben, nur weil einige Leute nicht wissen, wie man sich darauf bzw. davor benimmt. Weil laut Statistik zu viele Leute auf dem Fussgängerstreifen sterben, muss man diese reduzieren oder gar ganz abschaffen. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis einige ganz Schlaue verlangen, dass im Altersheim die Leute im Kleiderschrank übernachten müssen, weil laut Statistik die meisten Leute im Bett sterben.

Genauso ist es im Finanzwesen: Zur Rettung von Leben wurde einst das Bankgeheimnis eingeführt. Daten- und nicht Kriminellen-Schutz wurde zu einer wertvollen Grösse in unserem Land. Doch weil heute alles, was nicht fein säuberlich beschrieben ist, falsch verstanden werden darf, muss selbst vor Benutzung der Mikrowelle ausdrücklich darauf aufmerksam gemacht werden, dass selbige nicht «zum Trocknen von Hunden und Katzen geeignet» ist.

Gleiches gilt anscheinend für den Bankenbereich: Komische und fragwürdige Geschäfte sollen erlaubt und tolerierbar sein, wenn diese nicht ausdrücklich untersagt wurden. Kein Problem, denn mit dem von den treu- und gutgläubigen Kunden abgezockten Geld kann man die Geschädigten gleichzeitig zum Schweigen bringen.

Ist es nicht bedenklich, dass man Leuten – auch solchen mit hohem IQ – genau erklären muss, sie sollten sich nicht durch dumme Schlägereien das eigene Leben versauen. Ja, die Grenzen wurden abgeschafft – allem Anschein nach auch jene für Blödsinn und Unrecht.

Frage: Tut eine Wurzelbehandlung unserer Gesellschaft nicht dringend Not? Statt mit Scheuklappen Missstände und Straftaten zu schützen, könnten wir uns an die Zehn Gebote erinnern. Das würde uns vielleicht den Weg aus dem Paragraphen-Dschungel erleichtern. Leute in öffentlichen Ämtern sowie Volksvertreter müssten verpflichtet werden, zuzuhören und hinzuschauen. Unternehmer – nicht Manager – bekämen dadurch sicher wieder den verdienten Stellenwert.

Wie soll die Feuerwehr einen Brand löschen, wenn auf jedes Park- oder Anhalte-Verbot geachtet werden muss? Soll die Feuerwehr wegschauen und das Feuer brennen lassen?

Hermann Wyss,
Schneisingen AG

 

25.01.2012 | 1045 Aufrufe