Jeroen van Roijen ist Stil-Journalist bei SRF und der NZZ. Neulich liess er allerdings selbst den guten Stil vermissen. Ihm gefiel ein pietätloser Beitrag einer Facebook-Seite, die Alt-Bundesrat Christoph Blocher innig den Tod wünscht.

"BRISANT EXTRA" vom 16. Dezember 2014, von Olivier Kessler, stv. Chefredaktor «Schweizerzeit»

Jeden Dienstagnachmittag ist Jeroen van Roijen um 14.00 Uhr mit seinem «Stil-Tipp» auf Radio SRF 3 zu hören. Von seinem Arbeitgeber wird er auf der Homepage als «SRF 3 Stilpapst» betitelt. In seiner Sendung urteilt er regelmässig «gnadenlos über Stil-Sünden».

Nicht bewusst scheinen dem SRF- und NZZ-Journalisten allerdings seine eigenen Stil-Sünden zu sein. Auf der Facebook-Seite «RIP Christoph Blocher» erfreute er sich an einem bedenklichen Post mit folgendem Inhalt:

(Man beachte, wer auf "Gefällt mir" geklickt hat.)

«Wir suchen in Herrliberg ZH (oder innerhalb 10km) einen Lagerraum >50m2 (möglichst auch einen Kühlraum) für Festbänke, Tische, Feuerwerk und Holz für Höhenfeuer. Der "RIP-CB-Day" soll ein glanzvoller Freudentag werden, an dem der Nachthimmel über Herrliberg anlässlich der Befreiung der Schweiz hell erleuchtet sein soll. Und wir wollen bereit sein, wenn es soweit ist.»

Stilloser Stilberater

Auf derselben Facebook-Seite sind Beiträge zu lesen, in denen es beispielsweise heisst: «Wer komponiert einen geilen Song zum Ableben Blochers?» oder «Wir sammeln gute Ideen für das schweizweite Fest an Christoph Blochers Todestag.» Untermauert werden diese Beiträge mit festlichen Bildern von Feuerwerken.

Die «Schweizerzeit» wollte vom SRF-Journalisten wissen, weshalb er bei einem solch pietätlosen Beitrag auf «Gefällt mir» habe klicken können. Darauf angesprochen, dass er doch Stilberater sei beim Schweizer Radio SRF und bei der NZZ, meinte er, er verwende Facebook nur privat und das habe nichts mit seiner Funktion bei SRF oder der NZZ zu tun. Aber warum die Sympathie mit jenen, die anderen Menschen den Tod wünschen? «Was klickt man nicht alles an», versuchte sich die Stil-Ikone herauszureden.

Auf die Frage, ob er den Beitrag denn absichtlich angeklickt hätte, meinte er verunsichert, er habe den Post wahrscheinlich gesehen, weil ein Freund ihn geteilt oder kommentiert hätte. Da es dem Stilberater nun ob der Nachfrage offensichtlich unwohl wurde und er zugeben musste, dass es sich «um eine ziemlich primitive Seite» handle, entfernte er die «Gefällt mir»-Angabe umgehend wieder vom Beitrag. Der fade Nachgeschmack hingegen bleibt.

Nachtrag:

Nach Publikation dieses Artikels und des offensichtlichen Rummels, den er ausgelöst hatte, legte van Rooijen Wert darauf, dass er nicht der Gründer der Seite „RIP Christoph Blocher“ sei. Auch sei er nicht Sympathisant dieser Facebook-Seite. „Im Getöse der "Reclaim the Streets"-Randale habe ich auf Facebook einen Kommentar in einem Beitrag angeklickt, der dann offenbar auf dieser Seite ein "Like" aktiviert hat.“ Er versichere, dass er weder Herrn Blocher noch sonst jemandem den Tod wünsche und diese Seite als unanständig und stillos empfinde.

Die „Schweizerzeit“ hält an ihrer Darstellung fest. Diverse Facebook-Spezialisten sind einhellig zum Schluss gekommen, dass die Erläuterung von Jeroen van Rooijen so nicht nachvollziehbar sei. Technisch sei es nicht möglich, dass van Rooijen der makabre Beitrag nicht angezeigt wurde und durch einen Klick auf einen Kommentar einfach ein «Gefällt mir» an einer anderen Stelle aktiviert werden könne.

 

Bild: Screenprint Facebook-Porträt Jeroen van Roijen

 

16.12.2014 | 6484 Aufrufe