Der aktuelle Freitags-Kommentar der «Schweizerzeit»-Redaktion vom 4. Februar 2011.

Der Gipfel verantwortungslosen Handelns
«Wir wollten nur einmal schauen…»

von Nationalrat Ulrich Schlüer, Chefredaktor «Schweizerzeit»

Es geschah am Dienstag - zwölf Tage vor der Abstimmung über die Entwaffnungs-Initiative.

In einem Verkaufsgeschäft der Firma IKEA in St. Gallen lagen, ohne dass der Anfang der Aktion dem Verkaufspersonal aufgefallen wäre, plötzlich ein paar Schusswaffen umher.

Einige Kinder und Jugendliche bemerkten diese Waffen als erste, behändigten sie und veranstalteten sofort ein wildes Spiel «bewaffnete Jagd» kreuz und quer durch die IKEA St. Gallen. Das Herumtollen mit den Waffen jagte Kunden und dem Personal der IKEA St. Gallen einen gehörigen Schreck ein.

Nur ein Scherz?
Die alarmierte Polizei setzte nach ihrem Eintreffen dem üblen Spiel rasch ein Ende. Und erkannte die zur Menschenjagd von den Kindern eingesetzten Waffen rasch als Armeewaffen täuschend nachgebildete Imitate. Da hatte sich jemand einen üblen Scherz geleistet - so lautete die erste Vermutung.

Die Vermutung blieb nicht lange bloss Vermutung. Die Urheber der «Aktion» wurden ausfindig gemacht, nachdem sie das wilde Geschehen aus gewisser Entfernung vergnügt beobachtet hatten. Sie rekrutierten sich aus dem lokalen St. Galler-Komitee, das der Entwaffnungs-Initiative zum Durchbruch verhelfen will. Die sich als kategorische Waffengegner brüstenden Täter hatten als eine Art «Gag» Imitationswaffen in irgend einem willkürlich ausgewählten Verkaufsgeschäft ausgelegt, um, wie sie der Polizei gegenüber angaben, «einfach einmal zu schauen, was damit geschähe…»

Skrupellosigkeit gegen Verantwortungsbewusstsein
Weder Polizei noch Geschäftsführung fanden die Geschichte besonders spassig. Wenn angebliche Waffengegner dafür sorgen, dass in einem zufällig ausgesuchten Einkaufsgeschäft arglose Kunden und Mitarbeiter einer Jagd mit scheinbar bewaffneten jungen Aktivisten ausgesetzt werden - nein, solchen Unfug konnte niemand auch nur im entferntesten als «Spass» goutieren.

Offenkundig wurde indessen der Unterschied zwischen Waffengegnern und Schützen: Nie und nimmer würde ein Schütze, dessen Verantwortungsbewusstsein im Umgang mit Waffen seit Jahrzehnten sprichwörtlichen Charakter hat, sich zu solchem Unfug hinreissen lassen. Und jeder Soldat, dem die Verantwortung für seine ihm anvertraute persönliche Waffe nachdrücklich vermittelt worden ist, empfindet es als nichts anderes denn angebracht, dass die Urheber solch frivolen Waffen-«Scherzes» bestraft werden.

Eigentlich haben die Urheber dieser mutwilligen Inszenierung nur unter Beweis gestellt, dass sie mit ihrem haltlosen Angriff auf die verantwortungsbewussten Waffenträger überhaupt nicht wissen, was sie tun. Sie führen Feldzüge gegen die Verantwortungsbewussten. Sie entwaffnen diese Verantwortungsbewussten. Und erkennen nicht, dass sie den Verantwortungslosen, den Verbrechern, die illegale Waffen besitzen und kriminell einsetzen, mit ihrer Initiative faktisch in die Hände arbeiten: Weil sie ihnen ein Waffenmonopol sichern. Weil die Kriminellen nach allfälliger Annahme der Entwaffnungs-Initiative als einzige noch Waffen besitzen werden, womit sie ihre kriminelle Energie mit den ihnen allein verbliebenen Waffen um so rücksichtsloser ausspielen können.

Positives Ende
Die St. Galler «Scherz-Übung» fand ein positives Ende: Die St. Galler Polizei erklärte die Deponierung der Imitationswaffen im Möbelverkaufsgeschäft zum Offizialdelikt. Die Urheber werden dafür belangt. Sie haben ein Strafverfahren am Hals. Es wartet ihrer eine Strafe.

Damit wird richtiger Umgang mit Waffen bewiesen. Nicht das Instrument, nicht die Waffe als solche ist gefährlich. Gefährlich sind die Täter, die Waffen - allenfalls auch Imitationswaffen - benutzen, um friedliche, korrekte Bürger einzuschüchtern oder zu bedrohen. Auch wer Einschüchterung «nur zum Scherz» verübt, macht sich strafbar.

Es ist zu hoffen, dass den angeblichen Waffengegnern die demonstrierte Verantwortungslosigkeit im zu erwartenden gerichtlichen Verfahren nachdrücklich vor Auge geführt wird.

Ulrich Schlüer, Nationalrat

 

04.02.2011 | 4635 Aufrufe