Katastrophen moralischer oder physischer Art ereilen immer wieder ganze Familien, Dörfer, Länder. Wir werden auch in der Zukunft nicht alle Gefahren vermeiden können. Es gilt vielmehr, einerseits mit dieser ernüchternden Erkenntnis zu leben, andererseits, die innere Kraft zu bewahren, die auch über existentielle Rückschläge hinweghilft.

In der Regel sind in dieser Beziehung die Bewohner der Alpentäler uns Mittelländern voraus; Erdrutsche, Murgänge, Lawinen und Brände sind in mancher Dorfgemeinschaft besonders starke lebendige Erinnerungen. Es lohnt sich jedenfalls, von Zeit zu Zeit die Augen zu den oft reich verzierten, dann wieder ganz schlichten Hausinschriften zu erheben und dabei Dinge zu lesen wie, unter den bekrönten Wappen Berns und der Landschaft Hasli, die folgende knappe Information am Bären Guttannen:

«Das Dorf Guttannen hat schon im Jahr 1723 grosse Feuersbrunst erlitten. Im Brachmonat 1803 wiederum ein grosses Feuer, die Kirche und 52 Firsten lagen in der Asche. Durch Gottes gnädigen Beistand und Vertrauen haben Alexander Nägeli und Magdalena von Bergen sein Eheweib diese Behausung bauen lassen. An Gottes Segen ist alles gelegen.»

Jürg Stüssi-Lauterburg

10.10.2013 | 2347 Aufrufe