Die Inszenierung einer gemeinsamen Demonstration der SP-Fraktion und ihrer Bundesrätin gegen Nationalrat Köppel erinnert daran, wie ungleich souveräner und diskussionsfähiger frühere SP-Magistratspersonen in ähnlichen Situationen reagiert haben.

Als seinerzeit die Debatte um die umstrittene Drogenpolitik von Ruth Dreyfuss den Höhepunkt erreichte, rief FDP-Nationalrätin Geneviève Aubry als Präsidentin der Parlamentarischen Gruppe Drogenpolitik in einem emotionalen Votum der Bundesrätin zu: «Madame, als Grossmutter bin ich entsetzt!» – aber Frau Dreyfuss könne das ja wohl kaum nachvollziehen. Aubry wurde dabei nicht nur formal, sondern auch inhaltlich persönlich. Sie verweigerte der Bundesrätin die Anrede «Madame la Conseillère Fédérale» und machte deutlich, dass die Bundesrätin eine kinderlose Junggesellin sei und ihr damit aus Sicht einer Mutter das entscheidende Kriterium für eine sozialverträgliche Drogenpolitik fehle.

Die Bundesrätin reagierte magistral und antwortet Frau Aubry mit Gegenargumenten. Es ist zu vermuten, dass Bundesrätin Sommaruga keine Argumente einfielen, um dem eloquenten und gescheiten Votanten Köppel pari zu bieten.

Jürg J. Steinacher, Walchwil ZG

04.05.2016 | 3576 Aufrufe