Warum eigentlich nur ist diese Wahl im bürgerlichen Kanton Bern so knapp ausgefallen? Claude Longchamp wird es uns bald wissen lassen. Aber fest steht schon jetzt, dass Gefühle von Hass, Neid und Missgunst es bei vielen Exponenten der bürgerlichen Parteien BDP und FDP nicht zugelassen haben, zu ihrer bürgerlichen Herkunft zu stehen.

Man gab daher der dunkelroten Fraktionschefin der SP einen Freipass, deren Parolen man 3 Wochen zuvor bei der "Entwaffnungs-Initiative" gemeinsam noch vehement bekämpft hatte. Ohne massive Unterstützung aus bürgerlichen Kreisen hätte die SP-Kandidatin nie eine so hohe Stimmenzahl erzielt. Man muss dem Präsidenten der FDP des Kantons Bern zugute halten, dass er sich persönlich offen für Adrian Amstutz eingesetzt hat. Dieses Bekenntnis wiederum brachte den ebenfalls anwesenden Unternehmer-Präsidenten Stämpfli derart in Rage, dass er den Saal umgehend verliess.

Quo vadis FDP und BDP?
Wollten die wirtschaftsfreundlichen Berner Wähler tatsächlich sich selbst zerfleischen, indem sie einer Befürworterin der Ueberwindung des Kapitalismus und eines EU-Vollbeitritts, der Armeeabschaffung und der Einführung eines Grundeinkommens für Erwerbslose zu einem Ständeratssitz verhelfen wollten? Glaubten die Berner Freisinnigen ernsthaft, mit Christa Markwalder, einer sturen EU-Befürworterin, die Landbevölkerung überzeugen zu können? Die Enttäuschung und Verwirrung nach dem ersten Wahlgang muss enorm gewesen sein, dass man in der Folge derart weit ins links-etatistische Lager abgerutscht ist. Man bezeichnete Wyss als "gemässigt" und Amstutz als "Hardliner. In der Statistik der NZZ stehen beide am äusseren Rand des Spektrums - Wyss mit einem - 9 und Amstutz mit einem + 9.

Einzelne freisinnige Exponenten warben gar in Interviews und mit Inseraten für die links-extreme Kandidatin. Dies hielt die gleiche Partei nicht davon ab, kurz nach Amstutz' im Alleingang gewonnener Wahl ihre Genugtuung darüber zu äussern, dass der Kanton Bern nach sieben Jahren wieder zwei bürgerliche Ständeräte abordnen könne. Der kantonale SVP-Präsident Joder muss es tags darauf als Witz empfunden haben, als er von den selben FDP-Exponenten auf eine Zusammenarbeit für die nationalen Wahlen im Herbst angesprochen wurde. Es ist FDP und BDP mit ihrem widersprüchlichen Taktieren einmal mehr gelungen, sich ins Lager der Verlierer abzusetzen.

Leserbrief von Robert Nieth,
Walchwil ZG

15.03.2011 | 1065 Aufrufe