Auf der einen Seite überhäuft man den Nationalbankpräsidenten Hildebrand mit weit überdurchschnittlichem Jahresgehalt und andererseits wundert man sich dann über dessen Spekulationstätigkeit. Beides gehört jedoch untrennbar zusammen, an etwas anderes zu glauben, wäre kindlich naiv! Dies ist ähnlich dem Brandstifter, welcher zuerst nur «zünselt», sich danach aber ärgert, weil er den plötzlich ausbrechenden Flächenbrand nicht mehr zu löschen vermag.

Herrn Hildebrand ist rechtlich nichts vorzuwerfen. Der zusätzliche Dollarkauf vom 15. August 2011 kann allenfalls als «unmoralisch» kritisiert werden; nur, es existiert im Reglement der Nationalbank kein Gesetz, welches die Moral definiert und für verbindlich erklärt.

Vor noch nicht allzu langer Zeit wurde seitens der SVP mit der Initiative «Bankkunden-Geheimnis in die Bundesverfassung» ein wichtiges Volksbegehren lanciert. Man erfährt indes nichts mehr über dessen Verbleib! Was ist hier geschehen?

Es ist daher äusserst merkwürdig, dass der Informant bei der Bank Sarasin, welcher Hildebrands Bankdaten illegal entwendet bzw. fotografiert hat, SVP-Mitglied und zudem ein ehemaliger Schulkamerad des Thurgauer Anwalts und ebenfalls SVP-Mitglieds Hermann Lei ist. Bankdatendiebe, wie wir sie aus Deutschland her kennen, «arbeiten» nicht gratis, immerhin hat im vorliegenden Fall der Dieb bewusst in Kauf genommen, seine Stelle zu verlieren.

Das internationale Ansehen der Schweiz ist dadurch in tiefer Lächerlichkeit versunken. Frage: Wie viel Geld wurde dem Informanten für seine illegalen Dienste versprochen und von wem?

Das Ganze riecht nach einer persönlichen Abrechnung mit Hildebrand. Dieser kann sich jedoch getrost zurücklehnen, denn der Steuerzahler muss ihm laut SNB-Reglement ein ganzes Jahresgehalt von 1 Million Franken «verfüttern». Ärgern wird ihn das nicht allzu sehr, denn bereits nach einem Jahr kann er sich wieder in einer gut betuchten Firma in den Verwaltungsrat wählen lassen...

Bei allem Respekt, aber dieses Mal hat die SVP den Bogen eindeutig überspannt, indem sie sich seit langem einseitig auf Herrn Hildebrand eingeschossen hat; die anderen CEOs mit Insiderwissen lässt man indessen munter weiterspekulieren!

Wenn man sicher gehen möchte , müsste man das Gehalt eines Nationalbankpräsidenten bzw. jedes CEOs sowie allen Mitgliedern des Bundesrates, während der Amtszeit auf ein 0-Zins-Sperrkonto überweisen (einfrieren),und lediglich ein monatliches Taschengeld für den Lebensbedarf gewähren , dies wäre hundert Prozent «moralisch»

Marcus Stoercklé jun.,
Basel

 

20.01.2012 | 1350 Aufrufe