Nachruf

Ein Mann, der Schweres durchgemacht hat, von diesem Schweren zeitlebens bedrückt wurde, der sich aber bis ins höchste Alter dagegen wehrte, von dem ihm zuteil gewordenen Schweren völlig zermalmt zu werden, kam jetzt, am 7. Mai 2016 zur Ruhe.

Vladimir Konecny, zuletzt in Uster wohnhaft, war Osteuropa-Flüchtling, echter Flüchtling, seiner eindrücklichen, dichterischen Begabung wegen von den Kommunisten bedrängt, verfolgt, eingekerkert, gequält.

Er, in seinen letzten Jahren zunehmend sehbehindert, schliesslich nahezu blind, hat das Schicksal, das ihm beschieden war, nur bruchstückweise, immer wieder stockend und innehaltend, immer angstvoll um sich schauend preisgegeben. Mehrere Versuche, ihn zu veranlassen, sein wechselvolles, von schweren Schlägen gezeichnetes Leben einmal gesamthaft darzustellen, kamen leider über Anfänge nicht hinaus.

Seine Gedichte zum Geschehen auf dieser Welt – die «Schweizerzeit» hat einige davon veröffentlichen können – waren gezeichnet von seiner Schwermut, aber auch von seinem unerbittlich klaren Blick der die Menschheit immer wieder bedrängenden Gewalt gegenüber. Aber auch die Angst, vom Schicksal erneut schwer getroffen zu werden, fand immer wieder ihren Ausdruck. Seine Gedichte waren kunstvolle, auf letzte Prägnanz konzentrierte Lebenszeichen eines Menschen, der schwerste Verfolgung am eigenen Leib erfahren hat.

Es bleibt uns, Vladimir Konecny als Zeuge schwerer Verbrechen der roten Gewaltherrschaft in Erinnerung zu behalten. Wem vergönnt war, ihn etwas näher kennenlernen zu können, wird diese eindrückliche Persönlichkeit, Zeuge eines hoffentlich auf immer untergegangenen Totalitarismus’, nicht mehr vergessen.

Ulrich Schlüer

 

Symbolbild von Sigrid Harig / pixelio.de