Gefährliche Feiertage, 7.1.10

Nach den verheerenden Anschlägen auf Kirchenbesucher in Bagdad und Alexandria, deren einziges «Verbrechen» es ist, einer christlichen Kirche anzugehören, bewegen und beunruhigen mich viele Fragen:

Warum haben die Katholische Bischofskonferenz, der Evangelische Kirchenbund über seine Mitglieder und die Evangelische Allianz nicht sofort zu einem Trauer- und Fürbittemarsch zur irakischen und ägyptischen Botschaft in Bern und zu Trauer – und Fürbitte-Kundgebungen in allen grösseren Schweizer Städten aufgerufen?

Warum vernetzen sich die christlichen Kirchen nicht weltweit und setzen sich für ihre verfolgten Glaubensgeschwister im Vorderen Orient ein?

Warum habe ich in Zusammenhang mit den Massakern keine Stimme von Menschenrechtsorganisationen vernommen?

Warum werden die Aussenminister Iraks und Ägyptens nicht ins Bundeshaus zitiert und warum wird besserer Schütz für die Minderheiten gefordert?

Warum protestieren die europäischen Staaten nur lauwarm gegen die schleichende Vertreibung der Christen?

Warum hüllen sich die islamischen Verbände in der Schweiz, der islamische Weltverband und die Konferenz der islamischen Staaten in Schweigen?

Welche Signale senden wir aus, wenn eine alteingesessene Glaubensgemeinschaft, die dem Land viele positive Entwicklungsimpulse verliehen hat, schikaniert und vertreiben wird und dieses Verbrechen weltweit nur zaghafte Reaktionen hervorruft?

Bringt uns das den Respekt und die Achtung anderer Religionsgemeinschaften ein, wenn sie feststellen, dass uns das Schicksal der Mitchristen im Nahen Osten kaum zu berühren und noch viel weniger zum Handeln zu animieren scheint

Wer kann mir eine Antwort auf meine Fragen geben?

Leserbrief von Anna Keller,
Niederglatt-Uzwil, SG

 

23.02.2011 | 1392 Aufrufe