Wenn der Ausstiegsentscheid des Bundesrates unter der Bedingung gemeint ist, dass man aussteigt, wenn vernünftige und bessere Alternativen verfügbar sind, ist nichts einzuwenden. Auch wenn man das eigentlich im Sinn hat, aber vor allem auf die kommenden Wahlen schielt, bei denen man von den technik­feindlichen Bedenkenträgern und Ausstiegsbefürwortern nicht abgestraft werden will, ist auch dies keine Todsünde, denn ein opportunistischer Umgang mit Me­dien, die mit gefühlig aufgekochten Hysterien zur weit verbreiteten Gehirn­schmel­ze beitragen, ist heute fast Voraussetzung für politisches Über­leben. Sobald wieder eine neue Sau durch den Medienwald rennt, kann man ja wieder vernünftig werden.

Wenn mit dem Bekenntnis zum Ausstieg aber ernsthaft ein Verzicht auf den Bau neuer Kernkraftwerke der dritten oder vierten Generation gemeint ist, ohne bessere Alternativen zu haben, ist das schlicht verantwortungslos.

Wenn erstklassige Industrieländer wie die Schweiz oder Deutschland aussteigen, und dritt- und viertklassige neue AKWs bauen und gefährliche alte weiter betreiben, wird weder die Welt noch die Schweiz sicherer! Sicherer würde die Schweiz aber, wenn wir unsere ältesten, schlechtesten und ineffizientesten AKWs möglichst rasch durch zwei neue Kraftwerke der modernsten Tech­nologie ersetzen und unseren Beitrag zur Lösung der Entsorgungsprobleme leisten. Das beschlossene Moratorium ist, sofern wirklich ernst gemeint, tief irrational. Die meisten AKW-Gegner sind interventionsfreundliche, utopistische Linke, die mit neuen Bürokratien, Vorschriften, Subventionen und Steuern eine mutwillig erzeugte Energielücke bewirtschaften wollen, was übrigens bereits geplant ist.

Die Kernenergie wird den gleichen Weg gehen wie die Entwicklung von Flug­zeugen, die durch laufende Verbesserungen zum sichersten Verkehrs­mittel wurden. (Wie viele Berühmtheiten der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhun­derts  sind durch Flugzeugabstürze ums Leben gekommen!)

Wie dumm muss ein hoch energieintensives Industrieland mit wachsender Bevölkerung sein, das über eine zuverlässige, günstige und sichere Bandenergie­versorgung verfügt, freiwillig den Weg in Preiserhöhungen und Versorgungs­lücken zu gehen, ohne dafür irgend einen konkreten Vorteil  zu bekom­men?

Leserbrief von Markus Eckstein,
Goldach SG

 

31.05.2011 | 1143 Aufrufe