Obligatorische sexuelle Befreiung (dritter und letzter Teil)
Untragbare Forderungen der Bildungsfunktionäre

Von Willi Villiger, Eggenwil AG

Der angebliche «Abbau von Denkhemmungen» als Etappe zur «sexuellen Befreiung» dominierte die ersten zwei Teile der Artikelfolge über die von Bildungsfunktionären angestrebte «neue Sexualerziehung» für die Volksschule («Schweizerzeit» Nr. 18 und 20/2011). Das dafür vorgesehene Programm, ausgearbeitet mit Bundesmitteln am «Kompetenzzentrum Sexualpädagogik» an der Pädagogischen Hochschule Zentralschweiz (PHZ) steht im Mittelpunkt des abschliessenden dritten Teils der Artikelfolge.

Wenn die «Denkhemmungen» abgebaut sind und grundsätzlich alles möglich scheint, was «einvernehmlich» ausgehandelt wurde, ist die Marschrichtung vorgegeben:

  • Die stufenweise Herabsetzung des Schutzalters.
  • Dem im Grundlagenpapier der PHZ propagierten «einvernehmlichen» Sex zwischen Kindern und Jugendlichen wird das «Menschenrecht» auf sexuelle Selbstbestimmung zugrunde gelegt, was deutlich gegen die elterliche Autorität gerichtet ist.
  • Damit dürfte es nur noch eine Frage der Zeit sein, bis das sogenannte «Kinder-Recht» auf sexuelle Selbstbestimmung für «einvernehmliche Zärtlichkeiten» mit Erwachsenen auch in der Schweiz eingefordert wird, wie das in Deutschland schon längst der Fall ist.
  • Geschickt an schweizerische Verhältnisse angepasst, formuliert das Grundlagenpapier der PHZ in Kapitel 4 nur sogenannt «psycho-sexuelle Entwicklungsschritte» von Kindern ab vier Jahren und leitet selber keine expliziten sexuellen Handlungsanleitungen daraus ab. Frau Gabriela Jegge, Mitarbeiterin der Pädagogischen Hochschule Zentralschweiz (PHZ), betont dabei aber, man habe sich das Grundlagenpapier nicht aus den eigenen Fingern gesogen, sondern stütze sich auf sexual- und erziehungswissenschaftliche Grundlagen der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Das entsprechende Dokument der WHO wurde notabene mitverfasst von Daniel Kunz, selber Mitautor des PHZ-Grundlagenpapiers. In diesem WHO-Papier sollen allerdings schon für Kinder im Alter von null bis vier Jahren Themen wie Masturbation und Gender-Rollen thematisiert werden.
  • Anleitungen für Kinder zum Masturbieren und zu allerlei abartigem Sexualverhalten bietet die PHZ an unter den von ihr empfohlenen Links.  Ihre eigenen Empfehlungen für den Lehrplan 21 allerdings wagt die PHZ der Öffentlichkeit nicht zu präsentieren. Sie hält diese, wie die NZZ berichtete, wohlweislich unter Verschluss – warum wohl?
  • Mit den angeregten Lernsettings in den einschlägigen Lehrmitteln werden pädophilen Erziehern Tor und Tür geöffnet. Originalton Cohn-Bendit: «Ich hatte schon lange Lust gehabt, in einem Kindergarten zu arbeiten.»
  • Solche Lehrmittel werden auf Pädophilen-Webseiten lobend erwähnt.
  • Das Zeigen von Pornos in der Primarschule forderten nicht nur die Jusos unter Cédric Wermuth. Vielmehr findet auch die im Beirat des PHZ-Kompetenzzentrums sitzende deutsche «Expertin» Karla Etschenberg, man müsse solche Filme als Anschauungsmaterial unbedingt benutzen, um so Kinder zu einem gesunden (!) Umgang damit zu befähigen.
  • Der «Diversity-Ansatz» soll weiter gepflegt werden: Alle sexuellen Orientierungen werden dabei als «gleichwertig» vorgestellt. Dies steht im Gegensatz zum Bundesverfassungsartikel, welcher Ehe und Familie in besonderer Weise schützt.
  • Die Forderung nach dem Adoptionsrecht für Homosexuelle liegt auf dieser Linie.

Totalitäre Methoden

«Eine bedeutende Aufgabe der Schule besteht darin, allen Kindern und Jugendlichen ... den gesellschaftlichen <common sense> zu erläutern und so einen Zugang zum Werte- und Normengefüge unserer Gesellschaft zu ermöglichen.»

Noch besteht in unserem Lande zumindest in Umrissen ein von einer Mehrheit getragenes Werte- und Normengefüge. Die traditionelle Familie, bestehend aus Vater, Mutter und Kindern, ist verfassungsrechtlich geschützt und ist auch weltweit die bevorzugte Lebensform.

Dass die PHZ nicht willens ist, dieses Wertegefüge ihrer Arbeit zugrunde zu legen, zeigt sich nur schon in der Zusammensetzung des Autorenteams des Grundlagenpapiers: Es finden sich darin z.B. keine Vertreter von Familienorganisationen, wohl aber von Schwulen- und Lesbenorganisationen. Es ist ein ungeheuerlicher Vorgang, dass einige Minderheitenvertreterquasi auf dem Reissbrett kurzerhand einen neuen «common sense» zu konstruieren versuchen und dann noch so tun, als bestünde eine «evidenzbasierte» und «fachwissenschaftliche» Notwendigkeit für deren perverse Ideologie.

Dass mittels «gezieltem und strategischem Lobbying» versucht wird, ein gesellschaftspolitisches Programm  von dieser Tragweite der politischen  Diskussion zu entziehen und an Eltern und politischen Entscheidungsträgern vorbei zu schmuggeln, schlägt dem Fass vollends den Boden aus. Das Grundlagenpapier anerkennt zwar heuchlerisch die Notwendigkeit der Zusammenarbeit mit den Eltern, will diesen Dialog aber erst aufnehmen, wenn das Obligatorium in Kraft gesetzt worden ist. Das ist dann aber kein Dialog mehr, sondern Diktatur: Der Staat masst sich an, die Kinder vor ihren eigenen Eltern zu schützen.

Totalitär ist auch das Ansinnen, die Lehrer eines Landes in die Pflicht zu nehmen zur Einimpfung einer bestimmten Ideologie. Wer Bedenken äussert, wird «politisch korrekt» mit der «Menschenrechts-Keule» erschlagen, indem die Menschenrechte als unverhandelbar erklärt und ideologisch instrumentalisiert werden. In Deutschland landen bereits die ersten Eltern im Gefängnis, weil sie ihre Kinder solchem Sexualkunde-Unterricht entziehen wollen.

Eckpfeiler zukunftsweisender Sexualpädagogik
Der von uns abgelehnten «emanzipatorischen Sexual-Pädagogik» stellen wir das folgende Konzept verantwortungsbewusster Sexualkunde an der Volksschule gegenüber.

Nach dem Grundsatz der Subsidiarität leistet die Schule wie bisher Aufklärungsarbeit in biologischer und medizinischer Hinsicht und greift nur dort mit sexualpädagogischen Aktionen ein, wo sich ein Bedarf aus dem Schulalltag heraus ergibt. Dabei sollen sich erzieherische Interventionen an den folgenden Grundsätzen orientieren:

  • Jeder Mensch ist Kind einer Frau und eines Mannes.
  • Die Familie ist die Keimzelle jeglicher menschlichen Gemeinschaft, sie sichert das Weiterbestehen der Gesellschaft und die Erfüllung des Generationenvertrages.
  • Ein Staat, der in seiner Verfassung als Programm-Artikel den Schutz der Familie verankert, hat dafür zu sorgen, dass dieser Grundsatz seinen Niederschlag auch im Bildungswesen findet. Lehrmittelproduktion, Lehrerbildung und Lehrplangestaltung müssen entsprechend ausgestaltet und dürfen nicht länger der emanzipatorischen Linken überlassen werden.
  • Die Heranwachsenden müssen vertraut gemacht werden mit den Konzepten der Enthaltsamkeit und der Selbstbeherrschung, damit sie später befähigt sind, stabile Familien zu führen: Auf die Hochseeschifffahrt des Ehelebens begibt sich nur, wer sich zuvor dafür gerüstet hat. Alle anderen dümpeln zwangsläufig mit mehr oder weniger lotterigen Booten entlang der Küste und erleben nie die Grandiosität und den Tiefgang einer treuen Zweierbeziehung, die bis zum Tod andauert.
  • Eine leistungsfähige Gesellschaft ist zudem angewiesen auf Leute, die gelernt haben zu verzichten und nicht einfach nur lust- und triebgesteuert zu funktionieren. Tabus müssen weiterhin tradiert und für junge Leute glaubwürdig begründet und engagiert verteidigt werden.

Wider die emanzipatorische Sexual-Pädagogik
Die emanzipatorische Sexual-Pädagogik muss grundsätzlich verworfen werden, und zwar nicht nur, weil deren theoretische Grundlagen von Pädophilen-Vertretern mitverfasst wurden. Die emanzipatorische Sexualpädagogik rüttelt an den Grundfesten zivilisierten menschlichen Lebens und ist nichts anderes als eine Bankrott-Erklärung der Pädagogik: Wer die Selbstbestimmung des Kindes zur Hauptmaxime erhebt, sagt damit, dass er nichts zu sagen hat, und er überlässt die Jugendlichen sich selber.

Eine Moral, welche aus blosser Chemie plus Gummi besteht, ist in diesem Falle Unmoral: Nachdem das Minenfeld der Sexualität mittels der Forderung nach reproduktiver Gesundheit (also nach kostenfreiem Zugang zu Pillen und Gummi sowie zu Abtreibung als Menschenrecht) entschärft wurde, schickt man die Jugendlichen in den Lustgarten und stachelt sie an, alles zu tun, was Gott verboten hat. Man überlässt sie der Illusion, sexuelle Libertinage sei keine Gewissensfrage, Scham sei ein unnützes Anhängsel und sexuelle Beziehungen könnten abgewechselt werden wie das Essen auf dem Tisch. Was aber im Erwachsenenleben nicht funktioniert, ohne seinen hohen Preis zu fordern, darf Kindern und Jugendlichen noch viel weniger zugemutet werden.

Erinnern wir uns an Herrn Juncker
Jean-Claude Juncker, luxemburgerischer Politiker und Vorsitzender der Euro-Gruppe äusserte sich zur Regulierungstätigkeit der EU wie folgt:

«Wir beschliessen etwas, stellen das dann in den Raum und warten einige Zeit ab, ob was passiert. Wenn es dann kein grosses Geschrei gibt und keine Aufstände, weil die meisten gar nicht begreifen, was da beschlossen wurde, dann machen wir weiter – Schritt für Schritt, bis es kein Zurück mehr gibt.»

Die «Grosi-Lizenz» sorgte vergangenes Jahr für Empörung: Nach dem Willen des Bundesrates hätten künftig auch Verwandte oder Göttis eine Bewilligung zum Kinderhüten vorlegen müssen. Der Aufstand hat gewirkt und die Pläne wurden zurückgezogen.

Jetzt sind unsere Taten gefragt. Kämpfen Sie weiter…

Willi Villiger

Die komplette, ausführliche Darstellung sowie die korrekten Quellenangaben dazu sind im Internet abrufbar unter http://www.volksschul-sexualisierung-nein.ch/downloads/grundlagenpapier-sexuelle-befreiung.pdf

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Das «Grundlagenpapier»

Im Mittelpunkt des Artikels «Untragbare Forderungen der Bildungsfunktionäre» steht jenes «Grundlagenpapier» zur Sexualerziehung, das hinter dem Rücken aller gewählten kantonalen Bildungsdirektoren vom «Kompetenzzentrum Sexualpädagogik und Schule» unter der Leitung von Titus Bürgisser mit Mitteln des Bundesamts für Gesundheit (BAG), Rubrik Aids-Aufklärung, an der Pädagogischen Hochschule Zentralschweiz (PHZ) verfasst worden ist.

Dieses Grundlagenpapier formuliert das Ziel, «Sexualerziehung» im Rahmen des Lehrplans 21 für sämtliche Schüler sämtlicher Altersstufen, also für Vier- bis Fünfzehnjährige in der Volksschule als obligatorisch einzuführen.

Willi Villiger, Aargauer Lehrer und auch Mitglied des Petitionskomitees «Gegen die Sexualisierung der Volksschule», hat dieses Grundlagenpapier und seine Entstehung eingehend studiert. Seine Ausführungen, Beschreibungen und Schlussfolgerungen dazu publiziert die «Schweizerzeit» in einer dreiteiligen Artikelfolge, die heute zu ihrem Abschluss kommt.

 

23.11.2011 | 1979 Aufrufe