Der St. Galler Olivier Kessler haut die AHV in die Pfanne und siedelt diese weltweit bewunderte Errungenschaft aus dem Jahre 1948 im Schneeballsystem an. Ein Umlageverfahren funktioniert auch ohne Bevölkerungszuwachs – ein Schneeballsystem lebt aber davon. Ein Schneeballsystem hört relativ schnell auf – die AHV wird noch lange andauern. Das Volk hat einmal ja gesagt zu diesem Sozialwerk und würde es höchst wahrscheinlich auch heute wieder tun.

Was soll dann die Bemerkung «es handle sich um einen Eingriff ins persönliche Eigentum»? Der Vergleich mit Ponzi ist falsch. Ponzi zog das Geld bei Gutgläubigen ein mit der festen Absicht, dieses nie mehr zurückzugeben. Genau dieser Grundgedanke fehlt bei der AHV gänzlich (sonst würde ich seit einem Monat nicht in den Genuss der AHV kommen, nachdem ich 47 Jahre lang einbezahlt habe). Solange die Schweiz nicht ausstirbt, werden auch in Zukunft weitere Beitragszahler gefunden und später zu beziehenden Rentnern erkoren. Was Kessler behauptet, wurde schon vor vierzig Jahren von ganz Schlauen zum Besten gegeben. Wo sind jene Propheten geblieben, wenn man die heutigen Reserven der AHV von 42 Milliarden Franken betrachtet?

Dann behauptet Kessler, dass das Geld, welches die Jungen in die AHV einzahlen müssen, diesen Leuten fehle, um es in die Wirtschaft zu leiten. Gerade letzte Woche hörte man von einem Wirtschaftsprofessor im privaten deutschen Fernsehsender RTL, dass dank der Rentner die Wirtschaft in Schwung gehalten wird. Dieses Umlageverfahren hat also ausgleichende Wirkung. Der Vergleich mit Chile kann nur einer erwähnen, der die grosse Armut in diesem Lande noch nie selbst erlebt hat. Wenn Oliver Kessler die AHV als lupenreines Schneeballsystem betitelt, dann sind all seine Ausführungen lupenreiner Unsinn.

Otto Gerber,
Wädenswil

15.07.2013 | 2869 Aufrufe