Nach dem Nein zur Gold-Initiative

Zunächst zu Ecopop: Noch eine Woche vor der Abstimmung (die Hälfte hatte bereits abgestimmt) wurde aufgrund «repräsentativer Umfrage» ein Kopf-an-Kopf-Rennen angesagt – bei stetig wachsender Ja-Bereitschaft. Hätte das nur ansatzweise gestimmt, dann wären in der letzten Woche vor dem Urnengang überhaupt nur noch Nein-Stimmen zu Ecopop abgegeben worden. Nur so wäre das 25-Prozent-Ergebnis erklärbar.

"Spalte rechts"
Kommentar des Chefredaktors

Damit zum Gold: Schon die über 40 Prozent Zustimmung Wochen vor der Abstimmung lösten Zweifel aus. Zu neuen Forderungen äussern sich die Schweizerinnen und Schweizer gemäss aller Erfahrung nie mit überschäumendem Ja. Zurückhaltung dominiert. Und dann vermeldeten die Meinungs-Auguren, noch bevor der Abstimmungskampf eingesetzt hatte, drastischen Zustimmungs-Rückgang – aus heiterem Himmel.

Wie lange sollen wir mit derartigem Unfug auf Kosten von Billag-Gebührenzahlern noch belästigt werden? Noch wichtiger aber: Was wurde mit diesen «Umfragen» tatsächlich verfolgt? Sollte die erste, möglichen Sieg der Initianten andeutend, die noch schlafende Wirtschaft als Geldgeber für die Gegenkampagne wachrütteln? Worauf die zweite all jene total zu entmutigen hatte, die Sympathie zum Vorhaben hegten: «Ihr habt ja doch keine Chance…?»

So unglaubwürdig der Umfrage-Zirkus, so bezeichnend die fehlende «Lust» nahezu aller Medien, das Unerklärliche zu hinterfragen: Man will es mit den mächtigen Siegern wohl nicht verderben …

Zu einem anderem, völlig unüblichem Vorgang warten wir ebenfalls vergeblich auf Hinterfragung durch «wahrheitssuchende Medienschaffende»: Wie kam es zum aussergewöhnlichen Tatbestand, dass – ausser SVP-Kantonalsektionen und EDU – keine einzige Partei die Initianten auf Bundes- und Kantonsebene zuliess, auf dass sie ihr Vorhaben vor den Parteidelegierten vor deren Parolenfassung vorstellen konnten? Das hat es seit Jahrzehnten nicht mehr gegeben. Wir sehen darin keine «Verschwörung», aber sehr wohl gezielte Regie, ausgetüftelt (von der Nationalbank?) und abgesprochen in den Wandelhallen zu Bern.

Jede offene Diskussion sollte – zumal die Medien brav mitmachten – unterbunden werden, auf dass man die Initianten mit «Argumenten» schlagen konnte, die sie selbst nie vorgebracht hatten, weil sie mit Wahrheit nichts zu tun haben.

Das Ergebnis ist zu respektieren. Über sein Zustandekommen aber darf man nachdenken.

Ulrich Schlüer

04.12.2014 | 1709 Aufrufe