Für jeden Finanzfachmann ist es eine Binsenwahrheit, dass Konsumsteuern die unsozialsten Steuern sind. Das ist wohl mit ein Grund, weshalb die Macher der bevorstehenden Abstimmung zur AHV-Reform die geplante Erhöhung der Mehrwertsteuer verschämt klein schreiben. Sie würde vor allem Rentner mit bescheidenem Einkommen belasten, die einen grossen Teil ihres Einkommens für Güter des täglichen Bedarfs ausgeben müssen.

Daran mag auch das Zückerchen der 70 Franken-Rentenerhöhung für AHV-Neurentner nicht viel zu ändern. Abgesehen davon, dass man damit ausgerechnet jene (neuen) AHV-Rentner beglückt, die in den vergangenen Jahren noch von Lohn- und Teuerungszulagen profitiert haben, schafft man erstmals eine Rentenungleichheit, welche Schule machen wird: Neurentner gibt es jedes Jahr. Zudem wird sich das Plus an Neurenten innert weniger Jahre über die heute veranschlagte Milliarde hinaus vervielfacht haben.

Als versicherungs-mathematischer Veteran fühlt man sich an die 70er Jahre erinnert, als die Renten zweimal massiv erhöht worden waren, und zwar aufgrund von für heutige Verhältnisse völlig überalterten Sterbetafeln. 1976 schrieb ein Miteidgenosse dem damaligen Sozialminister Hanspeter Tschudi den fastnächtlichen Spruch ins Stammbuch, den man unserer Alt-Bundesrätin Dreyfuss und dem
Ökonomen Strahm wiederholen möchte: «D'Prognose macht dä Hampe Tschuudi, und lääse tuet sie s'Gerschter Truudi».

Hans Scharpf, lic. oec. HSG, Zürich

14.09.2017 | 1444 Aufrufe