Die Sanktionen, sorgfältig ausgetüftelt, würden einzig Putin persönlich sowie sein unmittelbares, ihn beratendes Umfeld treffen. Sonst niemand – behaupteten die kopflosen Hauderi zu Brüssel.

"Spalte rechts" 
Kommentar des Chefredaktors

Und markierten demonstrativ Empörung, als Putin zurückschlug. Jetzt sind die Käse-Exporteure in Irland, die Milchproduzenten in Finnland und Litauen, die Südfrüchte-Anbauer in Spanien, Italien und Griechenland die geschädigten Hauptopfer. Nicht Putin. Und diese hart getroffenen Opfer leben in Ländern, die ausnahmslos bereits von der Euro- und der Überschuldungskrise ins Mark getroffen worden sind. Armut und Elend werden in diesen Ländern zunehmen. Obwohl die Sanktionen Putin treffen sollten.

Kommt dazu, dass sich die Westeuropäer durch kopflose Politiker von der Zufuhr kostengünstiger Energie aus Russland abschneiden. Darob reibt sich eine Regierung, die gleichzeitig lautstark nach «Verstärkung der Sanktionen» ruft, erwartungsvoll die Hände: Washington! Die USA sind – dank teurem Fracking – wieder Energie-Exporteure. Doch ist die aus aufwändigen Verfahren gewonnene US-Energie gegenüber der billigen Energie aus Russland nicht konkurrenzfähig. Deshalb die US-Sanktionsforderungen. Und die Europäer sollen auch den Transport, sollen auch die Infrastruktur für die teure «US-Alternative» bezahlen: Schiffs-Flotten, komplizierte Übernahme- und Speicheranlagen in den Häfen.

Da tobt – moralisch getarnt – Wirtschaftskrieg. Die EU-Länder werden doppelt getroffen, haben sie doch – mit Milliarden- und Billionen-Subventionen für nicht rentierende Alternativ-Energiegewinnung – die eigene, durchaus wirtschaftlich zu betreibende Energiegewinnung aus Wasser- und Kernkraft bereits weitgehend zerstört.

Trotzdem treten in der Schweiz Brüssel-Nachplapperi vom Schlage einer Christa Markwalder auf: Man müsse Putin endlich «die Grenzen zeigen»! Eitles Geschwätz! Das Putin höchstens zum Lachen bringt.

Wer seinen Verstand sich selbst entwickelnder politischer Eigendynamik opfert, richtet Schaden, unter Umständen schwersten Schaden an. Zumindest das könnte man an den allenthalben stattfindenden Gedenkveranstaltungen zum vor hundert Jahren losgebrochenen Weltkrieg lernen. Diesen wollte keiner wirklich. Der tödlichen Eigendynamik allerdings vermochte sich niemand mehr entgegenzusetzen, als der erste Schuss einmal gefallen war …

Ulrich Schlüer

13.08.2014 | 5452 Aufrufe