Eine grosse bürgerliche Zeitung der Deutschschweiz veröffentlichte am Juli einen ganzseitigen Artikel mit dem reisserischen Titel «Terror-Rezepte aus der Schweiz». Über den Verfasser steht nichts ausser dem Namen. Aus seiner Darstellung muss geschlossen werden, dass er spürbar Mühe hat, sich in die Zeit hinein zu denken, aus welcher die von ihm kommentierten Dokumente stammen.

Er tut so, als sei der «Terror» von einem Berner Major erfunden und in die Welt exportiert worden. Dass in diesem Artikel auch die geistige Landesverteidigung, das «Zivilverteidigungs-Büchlein» und die «P 26» ins Lächerliche gezogen werden und irgend ein russischer Journalist zitiert wird, der sich 1984 gefragt haben soll, «was ein neutrales Land, das von niemandem bedroht wird, mit diesem hanebüchenen Unsinn anfangen soll», zeugt von der Geisteshaltung des Redaktors.

1956 ist das Jahr des Ungarn-Aufstandes. Russische Panzer haben die Freiheitsbewegung der Ungarn brutal niedergewalzt. In Budapest wehrten sich Zivilisten und Teile der ungarischen Armee mit improvisierten Waffen (Molotow-Cocktails und selbst gebauten Sprengkörpern) gegen die modern ausgerüstete Besatzungsmacht. Der Widerstand war ungenügend organisiert und letztlich erfolglos. Die Welt hat diesem Drama erschüttert und hilflos zugeschaut.

In der Schweiz war man sich bewusst, dass unsere Armee gegen einen solchen Aggressor noch nicht gerüstet ist. Die Lücken - zum Beispiel in der Panzerabwehr - waren allen bekannt. Als Reaktion darauf fanden überall im Land Panzerabwehrkurse statt. Eine Welle des Widerstandswillens erfasste das Volk. Major Hans von Dach war einer von denen, die konkrete technische Grundlagen für den Kampf in feindbesetztem Gebiet zusammengestellt haben. Er verarbeitete dazu systematisch die praktischen Erfahrungen der französischen Résistance, Titos Partisanen und anderer Widerstandsorganisationen. Zu einem solchen Werk gehörten selbstverständlich auch Instruktionen über Sabotage. Von Dachs Arbeiten fanden Eingang in Reglemente unserer Armee. Dass der Staat seine Bürger im Widerstand ausbildet und ihnen solche Anleitungen mit nach Hause gibt, zeugt von grossem Vertrauen. Die Werke von Dachs sind ganz eindeutig keine «Terror-Rezeptbücher». Dass sie von Freiheitskämpfern wie auch von Terroristen genutzt werden können, ist nicht etwas, was erst jetzt (dank diesem Artikel) erkannt wurde. Schon von Dach hat diese Gefahr erkannt und auch Schriften zur Erkennung und Bekämpfung von Terroristen verfasst. Die Leistungen, die Major von Dach für unser Land in einer Zeit echter Bedrohung erbracht hat, verdienen Dank und Anerkennung.

Jakob Streiff,
Aathal-Seebräben

26.08.2013 | 1167 Aufrufe