Die Volksinitiative «Ja zum Verhüllungsverbot» befindet sich in einem turbulenten Schlussspurt – bis zuletzt ist eine Heidenarbeit nötig, um die noch fehlenden Unterschriften zusammenzukriegen. Einer, der sich besonders engagiert und furchtlos für das Gelingen dieser Initiative ins Zeug legt, ist der 35-jährige Rothrister Naveen Hofstetter.

Kommentar «Spalte rechts», Ausgabe vom 1. September 2017

Einer breiten Öffentlichkeit ist der dunkelhäutige Vollblut-SVP-ler bekannt geworden, als im Februar dieses Jahres das Video einer Rede Hofstetters über erleichterte Einbürgerungen im Internet die Runde machte – und in kürzester Zeit eine enorme Verbreitung fand. Hofstetters kernige Aussagen wie «Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist dann noch Schweizer im ganzen Land» schlugen ein wie eine Bombe und provozierten allerlei Gutmenschen, die es nicht mit ihrem Weltbild vereinbaren können, dass ein Dunkelhäutiger die Positionen der SVP vertritt.

Seit Wochen ist der selbständige Lichttechniker immer dann, wenn es die Freizeit erlaubt, nun auf der Strasse unterwegs und sammelt Unterschriften. Nicht selten wird er von Jugendlichen erkannt und um ein «Selfie» gebeten. Sich mit ihm ablichten lassen darf allerdings nur, wer ihm auch die Initiative für ein Verhüllungsverbot unterschreibt, so Hofstetter augenzwinkernd.

Vor kurzem war Hofstetter nach Baden gefahren, wo er zusammen mit einem Kollegen wieder auf Unterschriftenjagd gehen wollte. Doch was er in dieser Mitte-Links-geführten Stadt erlebte, verschlug dem stets aufgestellten und elegant gekleideten jungen Mann nachhaltig die Stimmung. Kaum in Baden angekommen, wurden Hofstetter und sein Kollege von vier Polizeibeamten zurechtgewiesen und umgehend auf den Polizeiposten befördert.

Hofstetters Verbrechen: Auf dem Posten eröffnete man ihm, er habe auf dem Festgelände der Badenfahrt politische Propaganda betrieben. Das sei klar nicht erlaubt, schliesslich hätte die Polizei auch gegen Personen vorzugehen, die auf dem Festgelände mit Drogen dealten. Was für ein Vergleich!

Naveen Hofstetter dagegen war sich sicher gewesen, sich nicht auf dem Festgelände befunden zu haben – und hatte sich bei seinem Sammelort offenbar irrtümlicherweise um einige Meter geirrt. Das hätte ihm die Polizei auch ganz anständig mitteilen können – ohne mit einer völlig unverhältnismässigen Aktion einen unbescholtenen Bürger blosszustellen und unnötigen Wirbel zu verursachen.

Anian Liebrand

31.08.2017 | 692 Aufrufe