Tatsachen gegen polemische Behauptungen
Streumunition

In der Abstimmung über die Entwaffnungs-Initiative haben Volk und Stände am 13. Februar 2011 entschieden, dass für den Missbrauch von Waffen nicht Geräte sondern Täter verantwortlich sind.

Jetzt gerät bestimmte, auch in der Schweizer Armee eingeführte Munition in die gleiche Schusslinie: Die sog. «Streumunition».

Was ist Streumunition?
Streumunition ist technologisch raffinierte, grosse Wirkung erzielende Artilleriemunition – verschossen aus Kanonen. Es ist Munition, die gleichsam als Paket auf lange Distanz verschossen wird, sich im Ziel aber in viele Einzelgeschosse aufteilt, womit sie sehr breitflächige Wirkung erzielt. Mit einer einzigen im Gotthardgebiet aus selbst vor Luftangriffen gesichertem Unterstand feuernden Kanone kann beispielsweise mit einem einzigen Schuss einem Eindringling mit feindseliger Absicht der Eingang in die Leventina im Raum Biasca vollständig versperrt werden.

Streumunition erzielt vor allem als Verteidigungsmunition hohe Wirkung. Als solche ist sie von der Schweiz vor erst relativ wenigen Jahren beschafft und bei der Artillerie eingeführt worden. Sie wird hier von fest installierten, sorgfältigst geschützten Kanonen auf vom Gelände bestimmte Engnisse abgefeuert, welche ein Angreifer, der nur schon mit mittleren Kräften in die Schweiz eindringen will, unausweichlich passieren muss.

Vorteil für den Verteidiger
Es gibt zu dieser den Verteidiger klar bevorteilenden Munition heute keine ebenbürtige Alternative. Wenn – was international mithilfe unseres EDA angestrebt wird – die Streumunition verboten wird, dann wird mit dieser Massnahme jeder Angreifer zum Nachteil eines jeden Verteidigers klar bevorteilt – so, als wäre feindseliger Angriff auf ein anderes Land «ethisch wertvoller» als die Verteidigung des eigenen Landes gegen feindliche Angriffshandlungen.

Es gibt für die artilleristische Landesverteidigung keine Munition, die der Verteidigungswirkung der Streumunition ebenbürtig wäre. Wird Streumunition also verboten, wird jedem Angreifer der Angriff auf ihm nicht gehörendes Gebiet leichter gemacht, wird jede von feindseligem Angriff heimgesuchte Bevölkerung stärker leiden, mehr Verderben und Tod hinnehmen müssen.

Beispiel Finnland
Keinesfalls alle Länder unterstützen ein generelles Verbot von Streumunition. Ernst zu nehmen sind die Argumente Finnlands, das – genau wie die Schweiz – sowohl Streumunition als auch die für das Abschiessen von Streumunition geeigneten Kanonen besitzt. Finnland hat gegen Osten eine über tausend Kilometer lange, äusserst schwierig zu verteidigende, weil sich meist durch topfebenes Gelände ziehende Grenze zu sichern: Seine Grenze gegen Russland, die im Lauf der Geschichte nicht bloss einmal in böswilliger Angriffsabsicht überschritten worden ist, was vielen Finnen Tod und Verderben gebracht hat.

Allein mit Infanterie kann diese extrem lange Grenze gegen einen an vielen Stellen möglichen, konzentrierten Vorstoss nie und nimmer verteidigt werden. Wohl aber mit Streumunition, abgeschossen aus weitreichenden Kanonen in maximal gesicherten Unterständen. Ein feindseliger Angriff auf Finnland wird, seit die finnische Armee über Streumunition verfügt, für den Angreifer so verlustreich, dass es sich dieser fünfmal überlegen wird, ob er angesichts der starken Grenzverteidigung überhaupt angreifen will.

Vor der finnischen Grenze steht derzeit ebensowenig eine feindliche Armee wie vor der Schweizer Grenze. Aber Streumunition und die dafür erforderlichen Geschütze kann man nicht erst dann bestellen, wenn ein Feind plötzlich an der Grenze steht. Streumunition ist für effiziente Landesverteidigung ganz einfach unverzichtbar. Der effiziente Einsatz dieser Streumunition muss immer wieder trainiert werden – auch wenn scharfe Munition aus solchen Kanonen nur zu Übungszwecken in der Schweiz nie abgeschossen wird.

Verteidigungsdoktrin
Es entspricht sowohl finnischer als auch schweizerischer Armeedoktrin, dass beide Länder reine Verteidigungsarmeen unterhalten. Für Angriffshandlungen im Ausland stehen diese Armeen nicht zur Verfügung. Unsere Armee ist einzig dazu da, das eigene Land, das eigene Volk effizient zu schützen.

Effizienter Schutz ist möglich, wenn für die Verteidigung die leistungsfähigsten Waffen mit der wirkungsvollsten Munition beschafft werden – und effiziente Verteidigung mit diesen Waffen auch immer wieder geübt wird. Seit es die Armee gibt, war es immer das Bestreben der Schweiz, für die Verteidigung über die besten Mittel zu verfügen. Damit hat sie erreicht, dass sie seit Gründung des Bundesstaates 1848 nie angegriffen wurde. Der effizienteste Weg, dem eigenen Land und seinen Bewohnern Unabhängigkeit, Frieden, Freiheit und Selbstbestimmung in der direkten Demokratie zu sichern und zu erhalten – selbst in schwierigsten Zeiten.

Täter statt Mittel verfolgen
Internationale Gerechtigkeit entsteht nicht, indem bestimmte Waffen, bestimmte Mittel, bestimmte Munition verboten wird. Gerechtigkeit – international wie national – entsteht, wo Täter, die für illegales Tun verantwortlich sind, wo Verbrecher, auch Kriegsverbrecher verfolgt, dingfest gemacht und zur Rechenschaft gezogen werden.

Indem man eine Verteidigungsmunition – nicht deren Missbraucher, nicht den für gewalttätigen Angriff verantwortlichen Täter – ächtet, wird vor allem der Verteidiger, der feindseligen Angriff völkerrechtlich legitim abwehrt, hart getroffen.

Gewiss ist Streumunition von fremden Armeen schon missbräuchlich eingesetzt worden – wie andere Munition auch. Richtig ist, jene Länder und ihre Regierungen, jene Armeen und ihre Kommandaten, die für tatsächliche Missbräuche verantwortlich waren, strafrechtlich – wegen Verletzung des Kriegsvölkerrechts – zu verfolgen. Nicht aber Verteidigungswaffen zu verbieten, die dem Angreifer Gewaltanwendung leichter machen.

Ulrich Schlüer

 

25.10.2011 | 1484 Aufrufe