Das Ziel der Amerikaner ist nicht etwa eine Globallösung, wie Bundesrätin Widmer-Schlumpf meint. Eher die Schrumpfung unseres Finanzplatzes zur Bedeutungslosigkeit, Bussen in zweistelliger Milliardenhöhe und eine amerikanische Machtdemonstration. Dieser Kampf wird vom Ausland aufmerksam beobachtet. Wenn wir einmal mehr kuschen, setzen wir uns nicht nur einer Kaskade von weiteren Forderungen aus Amerika aus, auch die EU würde unverzüglich neue Begehrlichkeiten anmelden.

Dabei wäre Widerstand gegen die USA möglich: Wir verlangen von der OECD, dass die USA auf die schwarze Liste der Steuerparadiese gesetzt wird. Mit der Begründung, dass diese Organisation seinerzeit bekanntlich auch der Schweiz mit der Schwarzen Liste gedroht hat. Im Interesse der Gleichbehandlung drängt sich eine solche Massnahme auch gegen die USA geradezu auf. Denn auf US-Banken liegen gemäss einer Schätzung des Handelsministeriums in Washington 3,6  Billionen Dollar an ausländischen Vermögen,  wohl geschützt durch das strikt gehandhabte amerikanische Bankgeheimnis.

Selbstverständlich werden die USA nie und nimmer auf eine Schwarze Liste gesetzt, weil sie das dank ihrer Macht zu verhindern wüssten. Dass die Schweiz die OECD-Standards übernommen hat, die USA sich um solche Standards foutiert, spielt offenbar keine Rolle. Aber peinlich wäre die Angelegenheit allemal, sowohl für die USA, als auch für die OECD.

Täglich werden wir mit neuen Drohungen aus den USA konfrontiert. So liess man uns wissen, eine Brigade von US-Staatsanwälten ermittle gegen unsere Banken. Warum fordern wir die USA nicht einfach auf, diese Brigade zuerst in ihren eigenen Steueroasen Delaware, Florida, Nevada und Wyoming einzusetzen?

Wenn wir uns nicht endlich gegen ausländische Angriffe zur Wehr setzen, werden die Belange unseres Landes bald einmal in Washington, Berlin, Paris und Brüssel entschieden.

Otto Weiersmüller,
Uetikon am See ZH

23.02.2012 | 1330 Aufrufe