Bekanntlich sprechen sich die Polizei-Oberen über die Köpfe des Korps hinweg für eine Verschärfung des Waffenrechts aus. Eine nähere Betrachtung der offiziellen Meldungen auf www.polizei-schweiz.ch lässt mindestens den Verdacht der Manipulation aufkommen. Gerne ist dort von häufigen bewaffneten Raubüberfällen die Rede, die dem Leser ein Schusswaffenproblem in der Schweiz suggerieren sollen.

Interessant sind die weggelassenen Informationen. Wenn von «Waffengewalt» die Rede ist, darf angenommen werden, dass es sich bei der Waffe bestenfalls um ein Küchenmesser gehandelt hat, ausser es sei ausdrücklich eine Faustfeuerwaffe erwähnt. Ausserdem wird gerne auf einen «Schweizerdeutsch» sprechenden Täter verwiesen. Ist das nicht möglich, wird auf die Formulierung «hellhäutiger» Täter ausgewichen. In allen andern Fällen fehlt die Information. Der Eindruck von Kriminaltourismus soll offenbar um jeden Preise vermieden werden. Nie ist von einer Schussabgabe zu lesen. Es darf deshalb auch angenommen werden, dass es sich oft um Waffenattrappen handelt oder um im EU-Ausland frei erhältliche Gaspistolen. Wird mal ein Fall aufgeklärt, wartet der Leser vergeblich auf solche «Details». Ist es deshalb abwegig anzunehmen, dass das Problem nicht das (noch) liberale Waffenrecht in der Schweiz, sondern vielmehr «Schengen» ist?

René Ritter, Zollikofen

28.06.2018 | 948 Aufrufe