Guido Westerwelle prägte neulich den Begriff «spätrömische Dekadenz» (wo er Recht hat, hat er Recht) und erntete damit prompt seitens der Neuzeit-Dekadenten einen Sturm der Entrüstung. Weshalb eigentlich?

Zu römischer Zeit verlieh einst der tyrannische Kaiser Caligula seinem besten Rennpferd Incicatus die Konsulwürde und verschaffte ihm einen ständigen Sitz im römischen Senat. Für uns mag diese Aktion auf den ersten Blick etwas befremdlich daherkommen, allerdings hätte sie in der Schweizer Politik des 21. Jahrhunderts durchaus ihre Berechtigung und wäre mit positiven Auswirkungen auf das weitere Geschehen unseres Landes verbunden.

Problemlos liesse sich dieses Modell auf unseren momentanen Bundesrat übertragen, indem man sechs der Bundesräte durch Pferde ersetzen würde. Bezüglich politischer Auswirkungen liesse sich keinerlei Unterschied ausmachen, denn ob sich da nun sechs Pferde oder sechs inkompetente Pappnasen die Zeit totschlagen, spielt wahrlich keine Rolle. Einzig Ueli Maurer käme als Landwirt wohl mit sechs Vierbeinern besser zurande als mit sechs zweibeinigen Kamelen.

Von der Kostenseite aus betrachtet, würde der Unterhalt von Pferden dem Steuerzahler gigantische Gage-Summen ersparen, speziell, wenn man zusätzlich noch Dreiviertel des Parlaments und die gesamte Bundesverwaltung gegen Pferde auswechseln würde, was wohl auch niemand bemerken würde, höchstens am neuen Gewieher.

Da der Output der beiden Gruppen (Pferde und Politiker) – im Prinzip Identisches – nämlich Mist in Urform – darstellt, sollte man aber auch bei diesem Mist differenzieren. Denn während jener von Pferden biologisch in Ordnung und als Dünger wiederverwendbar ist, fügt der politische Mist, welcher Bundesrat und Verwaltung nonstop produzieren, der Schweiz und seinen Bürgern bloss Schaden zu. Man könnte ihn ohne weiteres als «produzierten Bullshit am Laufmeter» bezeichnen.

So betrachtet, könnte sich die zeitgemässe Umsetzung von Kaiser Caligulas ehemaliger Grössenwahnidee für die Schweizer Politik durchaus zu einem Erfolgsmodell entwickeln. Zumal der Volksmund ja besagt, man solle das Denken den Pferden überlassen, da diese ohnehin einen grösseren Kopf haben. Wenn Caligula das wüsste...

Wolfgang Bauer,
Winterthur

22.06.2012 | 1630 Aufrufe