Der Schock über den Austritt Grossbritanniens aus der EU sass bei den glühenden Internationalisten tief. Von Natur aus reagieren Zentralisierungs-Fanatiker allergisch auf jegliche nationale oder individuelle Eigenständigkeit. Aus ihrer Perspektive geht die Welt unter, wenn nicht irgendeine Super-Behörde auf supranationaler Ebene sagt, wo es langgeht.

 

Schleunigst galt es aus Sicht der EU-Befürworter nach dem Brexit zu handeln. Der Sieg der EU-Kritiker musste schleunigst in eine «Niederlage für Europa und die Schweiz» umgedeutet werden. In fast sämtlichen Mainstreammedien wurde der Brexit während Tagen unermüdlich als Katastrophe dargestellt. Die SP behauptete, der Brexit führe in der Schweiz zu einem Wirtschaftseinbruch aufgrund eines zu erwartenden «Währungsschocks». Die SNB müsse deshalb schleunigst einen neuen Mindestkurs einführen.

 

Auch wenn die Verlockung gross ist: Die SNB dazu aufzufordern, den Franken wieder an andere staatliche Papiergeld-Währungen zu binden, ist in etwa so geistreich wie die Forderung, wir sollten uns an die sinkende Titanic anketten. Ein Mindestkurs zu etablieren zu Krisen-Währungen, deren Zentralbanken ihre Märkte unermüdlich mit frischproduziertem Geld fluten, um den Kollaps maroder Staaten und Banken etwas weiter in die Zukunft verschieben zu können, kommt einem Suizid gleich.

 

Natürlich ist es für Exporteure ärgerlich, dass die Zentralbanken anderer Staaten mit ihrer Geldschwemme dafür sorgen, dass Produkte aus der Schweiz teurer werden. Genauso können aber Schweizer Unternehmen von einer Aufwertung des Frankens profitieren, weil sie Güter aus dem Ausland billiger importieren und sie deshalb nach der Verarbeitung im Inland auch wieder günstiger verkaufen können. Schweizer Konsumenten profitieren zudem von günstigeren Einkäufen und Ferien im Ausland. Die Herausforderung besteht also vor allem darin, flexibel auf den Währungszerfall im Ausland reagieren zu können. Dafür braucht es keinen neuen Mindestkurs, sondern einen Abbau an Regulierungen und Vorschriften.

 

Die SNB orientiert sich mit ihrer andauernden expansiven Geldpolitik schon heute viel zu stark an der Stützung des Wechselkurses und vernichtet deshalb Schweizer Ersparnisse in unvorstellbarem Ausmass. Da noch nie ein Land an einer starken Währung zugrunde gegangen ist, müsste sich für die SNB viel eher die Frage nach einem «SNBexit» stellen, also nach einer Abkoppelung von internationalen Krisenwährungen und einer Neuorientierung am bewährten Prinzip der Geldwertstabilität.

 

von Olivier Kessler