"Spalte rechts"
Kommentar des Chefredaktors

Auf dem Weg zur Maximalbesteuerung
Selbstentlarvung

Moral solle endlich obsiegen! Eine «Weissgeld-Strategie» soll unser bisher dunkle Geschäfte begünstigendes Steuersystem ersetzen. Wer «moralisch gut» sei, habe nichts zu befürchten. Allerdings: Wer Vermögen besitzt, steht dann unter Dauerverdacht. Dem Staat müsste jederzeit Zugriff gesichert sein…

Schöne Worte – angesichts einer Schweiz, die bisher zwischen vorsätzlichem Steuerbetrug als krimineller Tat und blosser Steuerhinterziehung, gegebenenfalls als Vergehen geahndet, unterschied. Auf dass «Hinterziehung» die öffentliche Hand nicht um ihr Zustehendes bringe, wurde die Verrechnungssteuer geschaffen – die automatisch auf jedem Vermögen erhobene Steuer, die demjenigen, der sein Vermögen auf der Steuererklärung deklariert, zurückerstattet wird. Gerade ältere Menschen konnten dank dieser Steuer auf die Einreichung einer Steuererklärung verzichten, ohne dass der Staat zu Schaden kam – die Verrechnungssteuer hielt ihn ja schadlos.

Das System funktionierte. Die Schweiz errang bezüglich Steuerehrlichkeit einen weltweiten Spitzenrang.

Der Bundesrat – dem Ausland gefällig – will dieses auf die Selbstverantwortung setzende System beseitigen. Wer nicht deklariert, soll fortan als Krimineller verfolgt werden! Sachverständige des Steuersystems stellen dazu absolut logisch fest: Wird die selbstverantwortete Deklaration aufgehoben, dann wird die Verrechnungssteuer sinnlos. Sie muss, wenn auf Selbstdeklaration verzichtet wird, abgeschafft werden.

Die Steuereinzüger in Bund und Kantonen toben: Verzicht auf Verrechnungssteuer – das komme gewiss nicht in Frage! Der Fiskus will alles. Er will nicht Moral, er will «den Chlotz» der Bürger – Steuerlogik hin oder her. Leere Kassen, Ausgabenschlendrian verlangen nach höherer Besteuerung.

Europa – auch die Schweiz – schlittert schwerer Krise entgegen. Kluge Staatslenker begegnen ihr, indem sie die Leistungsträger entlasten, auf dass diese mehr leisten und damit die Krisen-Entwicklung mildern, auffangen können. Unsere Etatisten – mit Eveline Widmer-Schlumpf und Christian Wanner, Oberhaupt der kantonalen Finanzdirektoren an der Spitze – wollen das Gegenteil: Sie wollen die mit «Weissgeld-Strategie» getarnte doppelte Besteuerung.

Es geht doch nicht um Ethik und Moral. Geldgier dominiert!

Ulrich Schlüer

08.11.2012 | 1593 Aufrufe