Die Economiesuisse zur Gold-Initiative

Es sind noch nicht zwanzig Jahre verstrichen, seit die Verantwortlichen der Nationalbank die ihr zur treuhänderischen Verwaltung überlassenen Goldreserven der Schweiz noch als «unveräusserliches Tafelsilber» bezeichnet haben – als werbeständiges Fundament für einen stabilen Schweizer Franken, das nie und nimmer veräussert werde.

Wenig später, vor einem Dutzend Jahren erst, wurden überstürzt und kopflos volle sechzig Prozent (1560 von zuvor 2600 Tonnen) der Goldreserven als «überschüssig» erklärt und über die Köpfe der Bevölkerung hinweg regelrecht verschleudert. Obwohl Goldreserven Volksvermögen darstellen – keineswegs Manipuliermasse für Politiker und Banker.

Kopflose Verkäufe

Das Wort «verschleudert» ist im Blick auf den damaligen Vorgang mehr als nur angebracht. Denn der Verkauf – von «Fachleuten» angeordnet – erfolgte zu historisch schlechtestem Preis. Gemessen am heutigen Wert des Goldes wurden durch die Hals-über-Kopf-Verkaufsaktion von damals nicht weniger als 53 Milliarden Schweizer Franken regelrecht vernichtet.

Dass die Nationalbank – schon damals von einem schwachen Bundesrat bedrängt – kaum aus freien Stücken, vielmehr unter massiver US-Erpressung gehandelt hat, rechtfertigt ihr Handeln keineswegs. Pikantes Detail am Rande: Die USA selber haben nie Gold verkauft.

Man kennt die Fortsetzung: Währungsturbulenzen folgen sich in rascher Abfolge. Die von den USA verschuldete Subprime-Krise infizierte zumindest die ganze westliche Welt. Überschuldungs- und Euro-Krise – beide völlig ungelöst – bildeten die Fortsetzung. Die Nationalbank, die kurz zuvor sechzig Prozent ihres werthaltigen Fundaments verschleudert hatte, musste, um den Euro vor dem Fall ins Bodenlose zu bewahren, intervenieren, den Franken zum Kurs von 1.20 an den Euro binden.

Gleichzeitig erklärte sich die Nationalbank gewillt, «unbegrenzt» Euro aufzukaufen, auf dass der Anbindungskurs erzwungen werden könne. Über dreihundert Milliarden marode Euro hat sie in Stützungskäufen erworben – und ihre Bilanz entsprechend aufgebläht.

Die Rechnung von Economiesuisse

Und jetzt rechnet die Economiesuisse (dossier, 1. September 2014) der Öffentlichkeit dramatisch vor, wieviel Gold die Nationalbank kaufen müsse, auf dass die Forderung der Gold-Initiative, wonach zwanzig Prozent der Nationalbank-Aktiven aus Gold bestehen müssten, erfüllt werden könne. Man staunt zunächst: Economiesuisse rechnet für die Nationalbank einen erforderlichen Gold-Mindestbestand (2790 Tonnen) aus, der nur relativ wenig über jenen 2600 Tonnen liegt, welche die «Währungsfachleute» in Bundesrat und Nationalbank bis vor kurzem als zu bedeutendem Teil «überschüssig» bezeichnet haben – worauf sechzig Prozent davon zu miserablem Preis verhökert wurden. Hätte die Nationalbank ihr Gold nicht verschleudert, das Fundament des Frankens also nicht drastisch verwässert, so sässe sie heute nicht bloss auf mehreren hundert Milliarden Euro, von dem niemand weiss, ob es ihn in fünf Jahren überhaupt noch gibt. Mit dem Goldbestand, wie er im Jahr 2000 noch vorhanden war, hätten die Interventionen ohne grosse Zukäufe durchaus initiativgerecht abgewickelt werden können.

Verdrehte Behauptung

Zu ihren Zahlen präsentiert Economiesuisse dann noch eine Behauptung, die schlicht wahrheitswidrig ist. Die Initianten der Gold-Initiative fordern keineswegs – wie Economiesuisse wider besseres Wissen behauptet – eine massive Aufstockung der Goldreserven. Sie erwarten vielmehr, dass die Nationalbank ihr anlässlich der Bindung des Frankens an den Euro abgegebenes Versprechen gegenüber der Bevölkerung endlich einhält. Die Nationalbank bezeichnete diese Franken-Anbindung nämlich ausdrücklich als «vorübergehende Notmassnahme». Seit Mitte 2012 kann sich der Euro, ohne dass weiter interveniert werden muss, auf einem Kurs von etwas über Fr. 1.20 halten. Die «Notmassnahme» könnte also sachte, in kleinen, überlegten, genau überwachten Schritten korrigiert werden.

Gefahr droht der massivst ausgeweiteten Bilanz der Nationalbank keineswegs von den Goldreserven, wohl aber von den viel zu hohen Fremdwährungs-Beständen, insbesondere in Form maroder Euro.

Würde das von den Fremdwährungs-Beständen ausgehende Risiko durch schrittweise vorzunehmende Verkäufe endlich abgebaut, würde sich der Goldanteil an den Nationalbank-Aktiven von selbst erhöhen. Die Initiative räumt zur Erreichung des Ziels von zwanzig Prozent Gold-Anteil ausdrücklich eine Frist von fünf Jahren ein.

In Mario Draghis Diensten

Die Nationalbank – mit dem Bundesrat im Rücken – zieht es indessen vor, die Eigenständigkeit des Schweizer Frankens gegenüber dem Euro-Raum in Frage zu stellen, ja zu untergraben. Solange die Euro-Anbindung bleibt, bleibt die Schweiz gefesselt an Mario Draghis Politik der marktwidrigen «Zinsnullung». Das heisst im Klartext: Aushöhlung der Lebensversicherungen, Aushöhlung der Altersrenten, Aushöhlung der Pensionserwartungen, Beraubung der Sparer, die um die Früchte ihrer an der Selbstverantwortung orientierten Disziplin gebracht werden. Auch die Schweizer werden damit zu Ausgebeuteten der masslosen EU-Überschuldungspolitik. Die unschuldigen Opfer werden geschröpft, auf dass die Verantwortlichen der verbrecherischen Überschuldung im Euro-Raum ihre Köpfe den Schlingen entziehen können, die bedrohlich über ihnen schweben.

Die neue, Gold-unabhängige, dafür der Notenpresse ergebene «Währungspolitik» hat der Menschheit ja nicht – wie Economiesuisse behauptet – Stabilität und Wohlstand gebracht. Vielmehr wurde sie damit ins Schlamassel massloser Überschuldung und damit verbundener Disziplinlosigkeit der politischen Kaste gestürzt.

Die Gold-Initiative würde die Nationalbank tatsächlich zum Ausscheiden aus Mario Draghis Gefolgschaft zwingen. Echte Werte als Fundament einer gesunden Währung sind gefragt, nicht Teilnahme an Mario Draghis verantwortungsloser Überschuldungspolitik.

Goldstück

Der Newsletter «Goldstück» wird herausgegeben vom Komitee «Ja zur Goldinitiative – Rettet unser Schweizer Gold», Postfach 23, 8416 Flaach

www.goldinitiative.chinfo@gesunde-waehrung.ch

 

Autor der heutigen Ausgabe:
alt Nationalrat Ulrich Schlüer

 

Symbolbild von shutterstock_217132168

18.09.2014 | 3245 Aufrufe