Zum „Fall Carlos“ ist folgendes zu bemerken: Von Verhältnismässigkeit spricht niemand, und wer glaubt, ein jugendlicher Gewalttäter, den man mit unmöglich viel personellem und materiellen Aufwand umsorgt, werde in die Selbstständigkeit entlassen kaum mehr rückfällig, dem ist nicht mehr zu helfen.

Am 11. Juno 2011 hat das Eidgenössische Departement des Innern ein «Gesamtschweizerisches Programm Jugend und Gewalt» veröffentlicht. Der Fokus lag auf Prävention, Intervention und Repression. Diese drei Punkte sollen schon längst zu Jugendstrafvollzug gehören. Mir scheint aber, dass es im Moderduft der 68er-Jahre noch nicht gelungen ist, Einrichtungen mit vertretbaren Kosten zu schaffen, die selbst schwerkriminelle Jugendliche mit einem strenggeordneten Regime disziplinieren – aber auch gezielt fördern.

Wolfgang Sidler
Luzern

29.09.2013 | 2190 Aufrufe