Die Rache der Rückenschuss-Spezialistin

Es gab einmal ein kleines, ausgesprochen armes Land. Wohl gaben ihm schöne Landschaften ein liebliches Aussehen. Mit Bergen und Seen. Aber es besass nichts, das es in der weiten Welt gewinnbringend hätte verkaufen können.

Freitags-Kommentar vom 27.01.2017,
von Ulrich Schlüer, Verlagsleiter «Schweizerzeit»

Das Land hatte weder Gold noch Eisenerz, weder Kupfer noch Bauxit – nichts, das auf der Welt gesucht wäre, das Einkommen garantiert hätte. Die hügelige, oft stotzige Landschaft machte das Leben auch den Bauern schwer. Einigermassen hinreichende Selbstversorgung war so ziemlich alles, was für die Bewohner dieses armen Landes erreichbar war.

Zähes, arbeitsames Volk

Doch das Völklein, das in diesem armen Land lebte, war zäh, liess sich nicht einfach unterkriegen. Einige seiner Bürger waren erfinderisch: Wenn das Land andere Menschen nicht von selbst anzieht, dann lässt es sich vielleicht so ausgestalten, dass es für andere attraktiv wird.

Die Bürger dieses armen kleinen Landes waren nämlich in der Lage, die öffentlichen Angelegenheiten selbst zu bestimmen und ihren Staat selbst zu verwalten. Sie waren von keinem in Prunk und Aufwand sich suhlenden Herrscherhaus abhängig. Also nutzten die Bürger ihr Selbstbestimmungsrecht und schufen in ihrem kleinen Land eine Ordnung, die mit der Zeit auch ausserhalb des Landes Aufmerksamkeit zu erregen begann. Das kleine Völklein, das in dem ihm beschiedenen Existenzkampf den Wert von Leistung zu schätzen wusste, gestaltete das Zusammenleben in seinem kleinen Land so, dass Leistung eher belohnt, sicher nicht bestraft wurde.

Leistungsbereite, die in anderen Ländern unter viel zu hohen Steuern ächzten, erkannten die Chance, im kleinen Land mit den stotzigen Bergen für ihre Leistung wenn nicht unmittelbar belohnt, so immerhin nicht länger bestraft und ausgenommen zu werden.

Attraktiv für Leistungsbereite

So wurde die kleine Schweiz für Leistungsbereite rund um den Erdball attraktiv. Viele verlegten ihre Tätigkeit ins von Natur aus eher unwirtliche Alpenland. Die Schweiz – alle, die in der Schweiz lebten – wurde davon wohlhabender und reicher.

Nur: Reichtum zieht an. Auch solche, die lieber andere für sich arbeiten lassen, die vom Reichtum, den Leistungserbringer fürs Land zusammentrugen, vor allem zehren wollten. Neue, hohen Lohn abwerfende, jedoch mit keinerlei Wertschöpfung verbundene Aktivitäten wurden erfunden und personalintensiv rasch ausgebaut: So begann zum Beispiel die Einwanderer-Betreuung – selbst zugunsten illegaler Einwanderer – zu grassieren. Überhaupt die ganze Betreuungsindustrie! Sie wurde zum Eldorado für tausende vor allem die Bürokratie immer weiter aufblähende Erfinder ausufernder «Controlling-Aktivitäten». Dafür liessen sie sich aus öffentlichen Kassen grosszügig entlöhnen – wofür sie von ebenfalls im Filz jener, die Leistungsträger hemmungslos ausbeuten, tief verankerten Medienschaffenden Tag für Tag als moralisch besonders Edle gefeiert und den Niederungen blossen Gelderwerbs regelrecht entrückt wurden und werden.

Auch im Parlament und in der Regierung konnten sie ihre Lobby etablieren. Eine Lobby, die unablässig um höhere Besteuerung der Leistungsträger – zunehmend als Ausbeuter deklariert und diffamiert – kämpft. Nicht zuletzt dem Ziel verpflichtet, in der auswuchernden Betreuungsindustrie eine ihnen stets ergebene Wähler-Klientel unterzubringen.

Eine wichtige Verbündete

Ihre wertvollste Verbündete fanden sie in einer Machtgierigen, die einst unbedingt Ministerin im kleinen Land werden wollte, obwohl ihr die Basis dafür in der Wählerschaft fehlte. Es kam schliesslich zu einem Deal ganz besonderer Qualität:

Sie etikettierte sich als Bürgerliche, wurde aber von der Linken gewählt. Auf dass diese Wahl nicht einmaliges Ereignis bliebe, musste sie sich nach erfolgreicher Erstwahl der Linken bedingungslos ergeben: Würde Sie für deren Ziele nicht unablässig kämpfen und streiten, dann würde sie gnadenlos fallengelassen.

Sie aber wollte an der Macht bleiben – solange als irgend möglich. Sie genoss es, als Finanzministerin eine Schlüsselstellung in der Regierung einzunehmen.

Abruptes Karrieren-Ende

Dass sich anlässlich einer Gesamterneuerungswahl die Mehrheitsverhältnisse im Parlament recht deutlich änderten, traf sie hart. Schon rein rechnerisch erwies sich die erneute Wiederwahl als unerreichbar. So zog sie sich kampflos zurück.

Kurz zuvor hatte sie im Regierungskollegium noch eine Steuervorlage durchgeboxt. Eine Reform, die gewisse Anpassungen vornahm an Regeln, die sich inzwischen weltweit durchgesetzt hatten. Noch aber gelang es, der Schweiz die Position eines im Vergleich mit anderen Ländern attraktiven Wirtschaftsstandorts weitgehend zu sichern.

Es kam schliesslich zur Abstimmung. Die Linke, jene politische Kraft, der die Machtgierige ihr Regierungsamt verdankt hatte, opponierte der Vorlage, die noch in der Küche der Abgehalfterten entstanden war.

Daraus erkannte sie die Chance, mit jenen abzurechnen, die ihr die Wiederwahl verweigert hätten, wäre sie vor dem Wahltag nicht freiwillig zurückgetreten. Erfahren in der Technik des gezielten Rückenschusses stürzte sie sich – von den Medien bereitwilligst bejubelt – noch einmal in die Politarena. Und sie bekämpft – dienstbar der Linken, der sie seinerzeit ihre Machtposition zu verdanken hatte – genau die Vorlage, die sie als Finanzministerin vor kurzem erst selbst erfunden hatte…

Ob die Stimmbürger auf das Spiel der Machtgierigen und ihres Anhangs hereinfallen?

 

Symbolbild von Tobias Kunze / pixelio.de