Die "Griechenland-Krise" in der EU

Das Gesetz beweist seine Unumstösslichkeit seit Jahrhunderten. Und wird seit Jahrhunderten übergangen: Schulden schlagen, wo immer man ihnen verfällt, auf ihre Urheber zurück. Unerbittlich! Überschulden sich Staaten, können die daran Schuldigen durch allerlei Zauber-Mätzchen, etwa via Druckerpresse der Zentralbank, das Zurückschlagen des unumstösslichen Gesetzes vielleicht etwas hinausschieben. Mehr nie!

"Spalte rechts"
Kommentar des Chefredaktors

Griechenland ist wirtschaftlich der für die Europäische Union nahezu unbedeutendste Staat. Er trägt nicht einmal drei Prozent zum Bruttosozialprodukt der EU bei. Also könne man, glaubte das auf Erweiterung süchtige Brüssel, Griechenlands Betrügereien um seine Überschuldung auf die leichte Schulter nehmen. Doch jetzt wird die EU von diesem wirtschaftlichen Zwerg in der Hand skrupelloser Kommunisten und Spieler in ihren Grundfesten erschüttert.

Man kann jetzt auf die Griechen einprügeln. Als wäre Griechenland das Problem. Das Problem aber heisst «Überschuldung». Griechenland ist bloss Prügelknabe, auf dass die ungleich schwerer wiegende Überschuldung Italiens und Frankreichs vorderhand verborgen bleibe – von zwei grossen EU-Ländern, die ohnmächtig ihre Desindustrialisierung als Folge ihrer Überschuldung hinzunehmen haben.

Weil jeder Machtgierige seine Gier über Schulden finanzierte, die er hinterrücks seinen EU-«Partnern» glaubte aufladen zu können, erlebt die Welt jetzt die Zerstörung der EU von innen heraus.

Und doch gibt es in unserem Land noch immer namhafte Persönlichkeiten – Wirtschaftsfunktionäre, Bundesräte, Verwaltungsspitzen, Führungsexponenten selbst sich bürgerlich etikettierender Parteien, natürlich auch Linke und Grüne, neuerdings selbst Spitzenbanker – welche die Schweiz weiterhin in den EU-Schuldensumpf «institutionell einbinden» wollen. Sind sie denn blind angesichts der Vorgänge in jenen Staaten, die noch etwas gesünder sind als Griechenland, Italien und Frankreich? Deutschland kann Jahr für Jahr erneut den Titel «Exportweltmeister» feiern. Aber seine Bundesbahn verrottet, seine Autobahnen – sichtbar an ihren Brücken – zerfallen. Soll auch die Schweiz noch den Schuldenmachern zum buchstäblichen Frass vorgeworfenen werden?

Wer – und sei er Bundesrat – solches noch anstrebt und beschönigt, kann sich nicht besser wähnen als jene, die Griechenland im Sumpf untergehen lassen.

Ulrich Schlüer

02.07.2015 | 1337 Aufrufe