Bis weit ins 14. Jahrhundert zurück können wir den Chroniken folgen, wo vor allem in Städten die Schützen sich zu Gesellschaften zusammenschlossen. Schon mehr als 650 Jahre prägt das Schiesswesen unser Land. Wurde der Schweizerische Schützenverband jedoch erst im Jahre 1824 gegründet, so haben die Schützen doch einen wesentlichen Anteil an der Schaffung des Bundesstaates Schweiz. Und heute? Heute wo dem Vereinsleben nicht mehr die Bedeutung zukommt, heute wo Egoismus und Intoleranz Überhand genommen haben, heute müssen wir Schützen uns überlegen wohin wir gehen wollen.

Obwohl der Bundesrat die Initiative „Schutz vor Waffengewalt“ ohne Gegenvorschlag ablehnt, und auch der Nationalrat mit 119 : 65, und der Ständertat mit 30 : 11 sich gegen die Initiative aussprechen, ist für uns Schützen noch nichts gewonnen. Wird die Initiative angenommen so verschwindet mit grösster Wahrscheinlichkeit das ausserdienstliche Schiessen und mit ihm die Schützenvereine. Mit jedem Schützenverein weniger, geht auch ein Stück Identität von Heimat verloren. Mit jedem Verschwinden eines Schützenhauses geht ein Stück Geschichte der Schweiz verloren. Mit jeder Auflösung eines Vereins entfernen wir einen Stein in unserem Fundament. Wollen wir es zulassen? Nein! Die Schweiz braucht um überleben zu können Vereine. Nirgendwo auf der Welt gibt es mehr Vereine als bei uns in der Schweiz. Turner-, Sänger-, Sport-, Trachtenvereine um nur einige zu nennen bilden den Rückgrat unserer Demokratie. Vereine braucht es um dem einzelnen Individuum die Möglichkeit zu geben, sich in einer vertrauten Umgebung einzuordnen, sich wohl zu fühlen.

Aber eben es braucht auch Vereine wie die Schützen, die die Geschichte der Schweiz kennen, die sich ihrer Vergangenheit nicht schämen, die mit ihrer Vielfalt, ihrem Staatssinn und ihrer Liebe zur Heimat sich dem Zeitgeist der Gegenwart stellen.

Die Waffeninitiative, über die wir am 13. Februar abzustimmen haben, muss aus folgenden Gründen abgelehnt werden:

- Das Bundesgesetz über Waffen, Waffenzubehör und Munition regelt schon heute wie mit missbräuchlichem Umgang von Waffen vorzugehen ist, ohne aber eine übertriebene und unnütze Kontrollbürokratie aufzubauen. Im Schweizerischen Waffenrecht ist geregelt wie Waffen aufzubewahren sind, wer sie tragen darf und welche Waffen bewilligungspflichtig sind. Auch ist darin geregelt, dass Armeeangehörige welche die persönliche Waffe abgeben wollen, diese freiwillig und kostenlos bei der Retablierungsstelle hinterlegen können.

- Ein Zusammenhang zwischen der Verfügbarkeit von Schusswaffen und der Häufigkeit von Suiziden, wie sie die Initianten immer suggerieren, ist wissenschaftlich nicht erwiesen. Auch die häusliche Gewalt nimmt dadurch nicht ab. Eine seriöse Prävention würde den Menschen und nicht die Waffe in den Vordergrund stellen. Suizide und Familiendramen haben meistens eine längere Vorgeschichte und müssten durch Familienangehörige, und das engere Umfeld eigentlich frühzeitig erkannt werden.

- Die Armee hat in den vergangenen Jahren zahlreiche Massnahmen getroffen um das Missbrauchsrisiko zu minimieren. Die Abgabe einer persönlichen Waffe steht für das Vertrauen zwischen Staat und Bürger. Die Initiative gefährdet den viertgrössten Sportverband der Schweiz. (220 000 Mitglieder in rund 3100 Schützenvereinen)

Leserbrief von Oskar Fässler,
Teufen, AR

 

10.02.2011 | 2347 Aufrufe