Klipp&Klara
Schengen kündigen

Manchmal hilft auch ein Blick in die Sterne nichts. Die berühmteste Schweizer Astrologin Elizabeth Teissier wurde am Wochenende bestohlen. Nicht irgendwo, sondern im Erstklasseabteil der SBB. Siebenhundert 700 Franken, drei Kreditkarten, mehrere Ausweise – alles weg. «Es ist unfassbar, dass so etwas in der Schweiz passiert», kommentiert Teissier den Diebstahl.

Unfassbar, aber schon längstens keine Einzeltat mehr: Die SBB verzeichneten im ersten Halbjahr 2012 eine massive Zunahme der Tätlichkeiten und Diebstähle. Das hat auch der Zuger  Polizeivorsteher Beat Villiger mitbekommen. Und er hat auch ein paar gute Ratschläge parat: «Die Transportpolizei muss gegen Randalierer konsequent vorgehen.» Zudem befürworte er eine stärkere Video-Überwachung: «In Zügen und auf Bahnhöfen, die mit Kameras gesichert sind, passiert weniger, die Polizei kann rascher reagieren und Straftaten besser aufklären.»

Dass gute Ratschläge allein nicht weiterhelfen, ist auch dem Zuger Sicherheitsdirektor bewusst. Er fordert schweizweit 1500 zusätzliche Polizisten. Es gehe um mehr Präsenz und eine wirksamere Bekämpfung des Kriminaltourismus. Villiger erklärt: «Banden aus dem Ausland kommen gezielt für Einbrüche und Diebstähle in die Schweiz […] Die Professionalisierung der Kriminellen in den Bereichen Taschendiebstähle, Trickbetrug und Skimming steigt.» Nicht wenige davon sind Nordafrikaner, die als Asylbewerber in die Schweiz kommen. Für diese Klientel fordert Villiger ein Spezialgefängnis: «Wir sollten Personen, welche das Land verlassen müssten, aber nicht ausreisen und sich kriminell über die Runden bringen, zum Schutz der Bevölkerung gesondert unterbringen.» Das sei aber nicht möglich, da Haftplätze fehlten. Darum prüfen die Kantone eine gemeinsame Einrichtung. Diese würde allerdings schnell einmal mehr als fünfzig Millionen Franken kosten.

Klara Kaiser findet es schon mal gut, dass ein Zentralschweizer Sicherheitsdirektor den Kriminaltourismus und die Probleme mit kriminellen Asylbewerbern thematisiert. Aber ganz zu Ende denkt auch Villiger die Sache nicht. Erinnern wir uns an die Schengen-Abstimmung von 2005. Der Bundesrat versprach mit dem Abkommen mehr Sicherheit und bescheidene Mehrkosten von «durchschnittlich 7,4 Millionen Franken pro Jahr». Schön wärs. 2012 kostete Schengen bereits 92,2 Millionen Franken, 2014 sind 115,5 Millionen vorgesehen – und die offenen Grenzen begünstigen den Asyl- und Kriminaltourismus. Also, mein lieber Herr Villiger, wenn Sie wirklich mehr Sicherheit wollen: Schengen kündigen. Und mit dem eingesparten Geld können Sie sich gleich zwei Spezialgefängnisse leisten.

Klara Kaiser

17.11.2012 | 1729 Aufrufe