"Spalte rechts"
Kommentar des Chefredaktors

Kampagne gegen Christoph Mörgeli
Säuberung

Der Rektor der Universität Zürich, Professor Andreas Fischer, sagt über Christoph Mörgeli: «Ich hatte keine Probleme mit ihm. Gewisse Leute wohl schon. Seine Rolle als Politiker wurde oft mit ihm als Titular-Professor in Verbindung gebracht.» Und der Vorsteher des Historischen Seminars, Professor Philipp Sarasin, sagt: «Die Zusammenarbeit wird von uns Kollegen vermutlich aus politischen Gründen verweigert». Beide aber beteuern der Öffentlichkeit gegenüber, Christoph Mörgeli sei allein aus fachlichen, keineswegs aus politischen Gründen aus seiner Position an der Universität Zürich verjagt worden.

Noch entlarvender ist die Entlassung selbst: Die Universität erstellt zur Arbeit Mörgelis einen «wissenschaftlichen Bericht», über den der Rektor sagt: «Den akademischen Bericht haben wir unter Verschluss gehalten, weil er potentiell persönlichkeitsverletzende Bestandteile enthielt.» Das «Unter-Verschluss» wird indes derart lausig gehandhabt, dass der Bericht beim «Tages Anzeiger» landet, der ihn genüsslich ausschlachtet. Weil sich Mörgeli gegen dessen persönlichkeitsverletzenden Inhalt, von dem er gleichzeitig mit Abertausenden Tagi-Lesern Kenntnis erhält, zur Wehr setzt, wird ihm die (einer Sonntagszeitung interessanterweise zum Voraus mitgeteilte) fristlose Entlassung wegen angeblicher «Illoyalität» präsentiert.

Die Krone des Komplotts formuliert erneut der Universitäts-Rektor, als klar wurde, dass Mörgeli diese erbärmlich motivierte Komplott-Kündigung gerichtlich anfechten wird: «Es ist möglich, dass ihm im Rahmen des Rekursverfahrens nochmals eine gewisse Anzahl Monatslöhne zugestanden wird», sagt der Uni-Rektor. Spricht so, wer sicher ist, in Sachen Kündigung korrekt und rechtens gehandelt zu haben?

Des Rektors Satz entlarvt die Drahtzieher an der Historiker-Fachschaft, welche die Universität ganz einfach von einem «Kollegen» säubern wollten, der ihre links-ideologische Geschichtsdeutung nicht mitmacht. Sie können sich nach geglücktem Komplott wohlig zurück lehnen, den absehbaren Rechtsstreit mit linker Hand dem Rektor überlassend. Sie wissen: Ob die Kündigung rechtens war oder sich als rechtswidriges Komplott herausstellt – bezahlen werden nicht sie als Komplott-Schmiede, zur Kasse gebeten werden an ihrer Stelle vielmehr die Steuerzahler.

Es geht da nicht um Wissenschaft. Es geht um Charakter.

Ulrich Schlüer

(Sämtliche Zitate: «NZZ am Sonntag», 23. September 2012, S. 12/13)

27.09.2012 | 1883 Aufrufe