Augenmass, Verhältnismässigkeit und Vernunft zählen zu den zentralen pädagogische Grundhaltungen. Verantwortungsbewusste, engagierte Lehrerinnen und Lehrer sind sich dieser Werte im Umgang mit ihren Schülerinnen und Schülern tagtäglich bewusst. Damit diesen Pädagogen der Rücken gestärkt wird, dürfen sie auch von ihren Vorgesetzten und Bildungspolitikern erwarten, dass deren Verlautbarungen und Entscheidungen von ebendiesen Grundhaltungen geprägt sind.

Mit seinen Äusserungen zur Schulung von schwierigen Kindern beweist der Basler Erziehungsdirektor Christoph Eymann nicht nur Augenmass, er nimmt auch Stellung zur Situation der Lehrer, die mit unverhältnismässigem Aufwand und «bis zur Erschöpfung» versuchen, selbst die verhaltensauffälligsten Kinder in den Regelklassen einzugliedern. Wenn Eymann der Überzeugung ist, schwierige Schüler seien – zumindest vorübergehend – aus solchen Klassen zu entfernen, bricht er mit dem Dogma der unbedingten Integration. Er erteilt dieser unsäglichen Verordnung, die der Lehrerschaft dermassen viel Kopfzerbrechen bereitet und sie zunehmend überfordert, eine deutliche Absage.

Die Einsicht des Basler Erziehungsdirektors verdient Respekt und Anerkennung. Am Rheinknie kehrt offensichtlich die Vernunft zurück. Bleibt zu hoffen, dass sich auch anderswo Entscheidungsträger in Bildungsfragen auf alte Tugenden zurückbesinnen. Landauf, landab werden es ihnen die erschöpften Lehrer danken.

Max Knöpfel, 
Pfäffikon SZ

30.10.2013 | 1689 Aufrufe