Hamburg – Krankheitsbild der heutigen Welt-Unordnung

Einen dreistelligen Millionenbetrag soll der Protz-Gipfel von Hamburg gekostet haben – auch wenn der Anlass nichts als sündenteure Selbstdarstellung der sich als mächtig Wähnenden gebracht hat. Selbst für die Millionen-Schäden der zum Hamburger-Gipfel angereisten professionellen Krawall-Touristen haben die Opfer der Zerstörungsorgie aufzukommen – als gebeutelte Steuerzahler.

Freitags-Kommentar vom 28. Juli 2017,
von Ulrich Schlüer, Verlagsleiter «Schweizerzeit»

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Allein Meister Zufall führte Regie: Auf der Rückkehr aus Norddeutschland war die Bischofsstadt Limburg an der Lahn Etappenziel. Dort wurde man erstmals mit Neuigkeiten konfrontiert, wonach der gross aufgezogene, von Gewalt und Zerstörung begleitete G20-Gipfel zu Hamburg Kosten in dreistelliger Millionenhöhe verschlungen habe.

Limburg an der Lahn: Das ist die Stadt mit dem grossartigen, an ihrer höchsten Stelle hoch aufragenden, weithin sichtbaren Dom. Diese Stadt, ihr Dom und der dort damals residierende Bischof mit seinem komplizierten Namen haben vor wenigen Jahren Stoff für laufend neue Schlagzeilen geliefert: Der Neubau einer Kapelle sowie des Bischofs-Wohnsitzes im Dombezirk sei allzu protzig ausgefallen. 31 Millionen – eine das Budget weit überschreitende Summe – seien dafür «verbraten» worden. Laute Proteste blieben nicht aus. Ein Mediensturm erhob sich. Der Bischof wurde schliesslich abberufen – im Vatikan mit untergeordneten Aufgaben betraut.

Sehr teuer – aber immerhin ein Baudenkmal

Wer diesen Dombezirk besucht, ist beeindruckt – in erster Linie vom Dom, aber auch von allen dazu gehörenden Gebäuden. Tatsächlich: Bezüglich Kapelle und aufwändiger Bischofs-Wohnung (beide sind nur von aussen zu besichtigen) wurde nicht gespart. Was schliesslich damit geschehen soll – darüber wird derzeit offenbar noch gerateburgert.

Zum Neubau wurden aber auch alte Gebäude renoviert, sorgfältig instandgesetzt. Und das Ganze – das wird jeder an Baudenkmälern Interessierte eingestehen – präsentiert sich heute als architektonisch höchst gelungen. 31 Millionen Euro – zweifellos viel Geld. Aber insbesondere die sorgfältige Renovation mehrerer alter Riegelbauten ist hervorragend gelungen: Da wird Bleibendes noch Generationen beeindrucken.

Noch viel teurer – aber ohne Bleibendes

Und gleichentags erfährt man: Der grandiose, schlechterdings masslose Aufzug der G20-Staatsoberhäupter mit Anhang in teuersten, aufwändigst ausgeschmückten Räumlichkeiten zu Hamburg verschlingt einen dreistelligen Millionenbetrag. Ergebnisse wurden danach zwar keine präsentiert. Aber die Exponenten der als weltweit «führend» gerühmten Staaten genossen es exzessiv, sich – an Diners, an Empfängen, an Pressekonferenzen, zu Fototerminen – in ihrer ganzen, gefeierten Machtfülle ablichten zu lassen. Ihr Protzen verschlang Millionen – Bleibendes hat die Welt davon nichts.

Die Verdienste der Mächtigen

Eigentlich wurden mit all dem entfalteten Prunk nur die Schuldenlöcher verdeckt, welche die sich selbst Feiernden in den letzten Jahren aufgerissen haben. Kaum ein Staat, dessen Staatsführer sich zu Hamburg als Machtinhaber ablichten liess, ist nicht rettungslos überschuldet. Und diese Überschuldung ist nicht schicksalhaft, aufgrund höherer Gewalt über die Staaten hereingebrochen. Die Schulden wurden verschuldet. Die Täter sind bekannt. Es sind die Gleichen, die sich zu Hamburg in Szene setzten.

Sie werden – da sie Machtinhaber sind – nicht belangt für die Milliardenpleiten, die sie eigentlich zu verantworten hätten. Vielmehr steht ihnen die Machtfülle zu, andere bluten zu lassen für das, was sie angerichtet haben. Mit vereinten Kräften – darin sind sie sich alle einig – haben sie die Zinsnullung nahezu weltweit dekretiert. Auf dass nicht die Verschulder der Überschuldung belangt werden, auf dass vielmehr die soliden Sparer um die Früchte ihres Sparens geprellt, hemmungslos geschröpft werden.

Konsequent abgeschirmt

Die Herrschaften waren konsequent unter sich, aufwändigst abgeschirmt vom «Volk». Und kein einziger Medienvertreter hat es gewagt, den Mächtigen zu Hamburg eine Frage zu ihrer Verantwortung angesichts der rettungslosen Überschuldung ihrer Staaten zu stellen. Es war die Zeit des Zelebrierens, nicht des Hinterfragens. Was den Machthabern nicht passte, blieb tabu. Andernfalls hätte Ausschluss von allen Festlichkeiten gedroht.

So gingen die Medienleute zum zweiten «Hamburger-Ereignis» über: Der Gipfel zu Hamburg wurde – wer hätte es nicht registriert – von schwersten Krawallen, von eigentlichen Zerstörungsorgien der weltweit auftretenden Berufs-Manifestanten begleitet. Ganze Stadtviertel Hamburgs wurden verwüstet, geplündert. Die Mittelständler, die dort ihre Existenz haben, mussten ohnmächtig und völlig ungeschützt mitansehen, wie ihre Geschäfte, ihr Eigentum, das von ihnen Aufgebaute von den Vandalen und Zerstörern heimgesucht, zerstört und ausgeplündert wurde. Kein Polizist war zur Stelle, der gegen die Zerstörungswut eingeschritten wäre. Die Ordnungshüter, obwohl zu Zehntausenden aufgeboten, hatten allesamt bloss die Mächtigen zu schützen und abzuschirmen.

Zerstörungsorgien

Erst dann, als alle Protagonisten des Gipfels in ihren Hotels – den teuersten, die Hamburg und Umgebung zu bieten hatten – untergebracht waren, konnten einige Polizei-Hundertschaften auch den schwer Geschädigten in den von den Zerstörern heimgesuchten Stadtvierteln zu Hilfe kommen. Sie mussten sich aufs übelste angreifen und begeifern lassen. Nicht weniger als fünfhundert Polizisten wurden verletzt. Die Zerstörungsorgie war ja bereits abgeschlossen. Um so zielbewusster konnten sich die Krawallanten – in Überzahl – auf die anrückenden Polizisten konzentrieren. Die Wurfgeschosse waren in Griffnähe.

Entschädigungen?

Zugegeben: Etwas später ist dann auch Frau Merkel auf dem Schlachtfeld erschienen. Sie hat gute, besänftigende Worte für die Geschädigten gefunden. Und einige markige Sprüche in Kameras und Mikrophone gegen die Vandalen gesprochen. Sie werde, ergänzte sie als Bundeskanzlerin, für alle Kosten, welche die Zerstörungswut verursacht hätten, aufkommen.

Sie, sie selbst, also Frau Merkel persönlich will für diese Kosten aufkommen – bezahlt aus ihrem eigenen Geldbeutel? So tönte es gegenüber den Kameras. Doch die Mächtigen selber werden für Krawallkosten keinen Cent aufbringen. Es sind die Steuerzahler, die die Schäden zu berappen haben. Zu den Steuerzahlern gehören auch die Geschädigten von Hamburg. Diejenigen, die im entscheidenden Moment keinerlei Polizeischutz für sich in Anspruch nehmen konnten, deren Eigentum ungeschützt der Zerstörungswut ausgesetzt war: Sie werden als Steuerzahler – zumindest anteilsweise – dafür zu bezahlen haben, dass die Polizisten nur die Mächtigen zu schützen hatten – nicht aber die von den Zerstörern Heimgesuchten.

Keinerlei Überraschung

Übrigens: Dass es in Hamburg zu Zerstörungsfeldzügen kommen würde, wusste man seit Monaten. Selbst in der Schweiz. Das Aufgebot zum Hamburger Saubannerzug prangte hierzulande schliesslich während Wochen auf dem Dach der Berner Reitschule – für jeden Bahnpassagier deutlich sichtbar. Auf einem öffentlichen Gebäude also, das der Verantwortung der Stadtberner Behörden untersteht. Zur Verantwortung dieser Behörden für die Gewaltaufrufe wird allerdings nirgends eine Frage gestellt. Dieses Thema ist für Medienschaffende tabu. Die Steuerzahler, die Geschädigten sollen bezahlen. Diejenigen, deren Eigentum zerstört wurde. Diejenigen, die mittels von oben dekretierter Zinsnullung laufend beraubt werden. Sie werden zur Ader gelassen, auf dass sowohl die Zerstörer als auch die Mächtigen ungeschoren davonkommen.

Man kann sich des Eindrucks nicht ganz erwehren: Sowohl das Zerstörungspack als auch die Mächtigen sind eigentlich aufeinander angewiesen. Beide kalkulieren sie die Auftritte der «Gegner» in ihre eigenen Pläne mitein: Beide wissen, wenn wir die Gegenseite gewähren lassen, hält die Medienaufmerksamkeit um so länger an. Die Mächtigen wissen zusätzlich: Wenn wir schon keine Ergebnisse aus dieser Millionen verschlingenden Inszenierung vorweisen können, so wird uns angesichts der Zerstörungen wenigstens die Möglichkeit geboten, plakative Empörung über Tatsache gewordenen Vandalismus mediengerecht in die Öffentlichkeit zu tragen.

So präsentierte sich die Welt zu Hamburg. So wird sie sich am nächsten Gipfel wieder präsentieren: Aufwändig, wirkungslos, zerstörungssüchtig.

Ulrich Schlüer

28.07.2017 | 1858 Aufrufe