Der aktuelle Freitags-Kommentar der «Schweizerzeit» vom 28. September 2012.

Mobbing gegen Mörgeli
Politische Prostitution

Von Ulrich Schlüer, Chefredaktor «Schweizerzeit»

Was man nicht alles erlebt in einer einzigen Woche, da sich linke Wissenschaft und Medien mit dem Ziel verbünden, einen ungeliebten Politiker seiner Stellung an der Universität Zürich zu berauben – mit angeblich rein wissenschaftlich-sachlichen Begründungen, meilenweit entfernt aller politischen Rankünen.

Für den basses Staunen auslösenden Auftakt war der Rektor der Universität Zürich, Andreas Fischer, besorgt – wohl eher von Hintermännern Getriebener als Überblick beweisende treibende Kraft: Als Christoph Mörgeli juristische Schritte gegen die seine Person treffende, fintenreiche Entlassungs-Kampagne ankündigte, stellte der Herr der Universität vor versammelter Medienmeute unverzüglich «zusätzliche Monatssaläre» für den Entlassenen in Aussicht. Handelt so, wer sich der sachlich-fachlichen Untermauerung eines streng am Recht orientierten Entscheids sicher fühlt? Oder weiss der Rektor nur allzu genau, dass allein politisch motivierter Neid, politisch motivierter Aberwille die Machenschaften der an linker Ideologie orientierten Kommando-Ebene der Historiker-Fachschaft ausgelöst haben?

Schawinski

Das wohl peinlichste Manöver in der Anti-Mörgeli-Kampagne inszenierte der – nach eigener Darstellung – brillanteste Polit-Talkmaster am Schweizer Fernsehen, Roger Schawinski. Nachdem sich der Ex-Radiopirat noch kaum von seiner vor wenigen Wochen seinem Chef Roger de Weck gegenüber eingenommenen Rolle des servilen Stichwort-Zudieners erholt hatte, verfiel er, sobald im Gespräch mit Valentin Landmann das Stichwort «Mörgeli» gefallen war, minutenlanger Schmäh-Suada. Und trotzdem wurde er von seinem Gast, der Schawinskis Wortschwall höchstens noch mit wohlgezielten Satz-Bruchstücken unterbrechen konnte, nach allen Regeln gezielten Kurzeinwands schlicht flachgelegt.

Der zweifellos «von oben» applaudierten, wie ein Wasserfall dahertosenden Beschuldigungsflut Schawinskis folgte zwei Tage später der «Kulturplatz». Den Zuschauern wurden angebliche, aus dem Bild allerdings nicht im entferntesten kenntlich werdende «Sünden aus Mörgelis Keller» als Knüller vorgeführt – wobei die Bilder, wie man später erfuhr, im Anatomischen Institut, nicht im Mörgelis Verantwortung unterstellten Medizinhistorischen Institut aufgenommen worden sein sollen. Zur Disqualifizierung des ungeliebten Professors durch eine in kulturellem Gewand daherschreitende TV-Schmähbrigade reichte solches trotzdem. Zumal die Chefetage des Monopol-Fernsehens für einmal alle Augen davor zudrückte, dass in dieser Kultur-Sendung die wohl elementarste Grundregel für hinreichend anständigen Journalismus schlicht ausgeblendet wurde: Dass dem aufs gröbste Angepflaumten wenigstens Raum für eine kurze Stellungnahme zum Gezeigten einzuräumen wäre. Stattdessen wurden – wohl von einem preussischen Kasernenhof entführte – Museums-Feldherren in Stellung gebracht, die dem biederen Schweizer Publikum in der schneidigen Tonlage teutonischer Alleswisser einzuhämmern hatten, wie linke Doktrin in Sachen Museums-Ausgestaltung medizinhistorischer Gegebenheiten in allein gültiger Manier umzusetzen sei.

Aufsicht

Auch Exponenten von Aufsichtsorganen kamen zu Wort – bis hin zur Bildungsdirektorin des Kantons Zürich, der bezüglich Anstellungsverhältnis des zu Verjagenden eigentlich das letzte, wohlabgewogene, beide Seiten berücksichtigende Wort zukäme. Munter liess sie sich zur Vorverurteilung des Angeschwärzten vor die Kameras zitieren, dabei Sachverhalte behauptend, von denen selbst die an der Kampagne beteiligten Journalisten einräumen mussten, dass sie der Wahrheit höchstens teilweise entsprechen könnten.

Bis sich auch noch eine wahre wissenschaftlich-politische Koryphäe angemessen ins Fernsehbild zu setzen vermochte: CVP-Nationalrätin Kathy Riklin. Sie ist die zweifellos kampagnenerprobteste Zeugin in der «Causa Mörgeli». Wittert sie eine Chance, die SVP oder SVP-Exponenten irgendwo auf eine Anklagebank verweisen zu können, dann beginnt es bei ihr auch dann ohne Verzug zu schwatzen und zu polemisieren, wenn sie gar nichts zu sagen hat – weil sie sich zu Sachverhalten kaum je ernsthaft ins Bild setzt.

Für Kampagnen-Schuster aus der Gilde der Medienschaffenden bleibt sie als politische Vielfliegerin aber die Idealfigur. Steht sie doch ganz vorn in der Spitzengruppe jener, die glauben, politisches Format lasse sich in Kilometern messen – in Kilometern auf Kosten der Steuerzahler, weil sie sich unablässig von einem internationalen – mit allerlei Lustbarkeit verbundenen – Politeinsatz zum nächsten internationalen – ebenfalls wieder reichlich Lustbarkeit vermittelnden – Politeinsatz jetten lässt.

Schliesslich die FDP

Das vorerst letzte Kapitel in der Kampagne Mörgeli aber schreibt die Politik. Im Zürcher Kantonsrat existiert eine Aufsichtskommission über die Stätten, wo akademische Weihen zu holen sind. Deren Präsident, FDP-Kantonsrat Hans-Peter Portmann, ergriff, als die gegen Mörgeli inszenierte Kampagne ihrem Höhepunkt zutrieb, entschlossen die Initiative: Die Verantwortlichen der Universität und die Verantwortlichen der Bildungsdirektion bis hinauf zur Chefin würden einzeln zwecks detaillierter Rechtfertigung des Geschehenen vor seine Kommission zitiert und einzeln befragt. Man wolle die nach Unrecht riechende Sache nicht treiben lassen, diese vielmehr rasch in den Griff bekommen.

Dieser ausnehmend löbliche Vorsatz wurde aus Partei-Räson von der FDP-Rennleitung freilich arg zusammengestaucht: Nur Kollektiv-Befragung wurde zugelassen. Schliesslich ist der Betroffene der Kampagne ein ungeliebter Konkurrent aus ungeliebter Partei, welche der FDP in den vergangenen Jahren so manch schmerzliche Niederlage bereitet hat. Da schwindet der Durst, Wahrheit hartnäckig aufzudecken. Das Liebäugeln mit den Mörgeli-Fertigmachern verspricht besseres Einvernehmen mit denen, welche die unumschränkte Befehlsgewalt über Kamera-Einsätze innehaben…

All das geschah in jener Woche, da die gesamte Öffentlichkeit ausgiebig die Weiterungen einer angeblich rein sachlich-wissenschaftlich begründeten Massnahme verfolgen konnte, für deren Folgen, weil die Kampagne nichts, aber auch rein gar nichts mit politischer Ranküne zu tun hat, die Steuerzahler in Kürze wohl tief in ihre Taschen zu greifen haben – den Schaden bezahlend, den die Ideologen in den hohen Uni-Gremien mit ihrer Säuberungsaktion anrichten.

Ulrich Schlüer

Wegen einer Auslandsreise des Chefredaktors erscheint das nächste «Brisant» erst am 26. Oktober 2012.

28.09.2012 | 5266 Aufrufe