Frau Sommarugas Quoten-Politik

Eine fixe Frauenquote von mindestens 30 Prozent! Dies ist das Ziel von Bundesrätin Simonetta Sommaruga – mit Unterstützung des Gesamtbundesrats.

Von Christian Eiholzer, Betriebsökonom, Küssnacht am Rigi SZ

Sie gilt natürlich nicht fürs Militär, auch nicht für Bauarbeiter. Nur für sämtliche Geschäftsleitungen und Verwaltungsräte von börsennotierten Unternehmen in der Schweiz. Das Geschlecht wird zum massgebenden Einstellungskriterium für Führungskräfte.

Quoten-Denken

Dass sich unser Bundesrat für Frauenquoten ausspricht, irritiert. Denn mit der Quote wird nicht nur die Freiheit weiter demontiert, mit der Quote werden auch die Frauen selber abqualifiziert. Man unterstellt ihnen quasi, dass sie es aus eigener Kraft nicht schaffen – und deshalb etwas Schutz durch Staat und Gesetz brauchen.

Es werden dadurch auch neue Diskriminierungen geschaffen, denn die Quote ist nichts anderes als eine staatliche Umverteilung zulasten der Männer. Drei Ökonomen von der Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich und der Universität Darmstadt haben das Quoten-Modell daher weiterentwickelt und sich dazu ein Konzept aus der Umweltpolitik abgeschaut: Ähnlich wie beim europäischen Handel mit Zertifikaten zur Umweltverschmutzung (CO2-Zertifikaten) soll es in Zukunft einen Zertifikatshandel für Frauenanteile in Kaderfunktionen geben.

Heute können sich bekanntlich Firmen, welche aus technischen oder wirtschaftlichen Gründen den CO2-Ausstoss nicht reduzieren können, am Markt zusätzliche Verschmutzungsrechte kaufen. Genauso würden sich Unternehmen in Zukunft an einem nationalen (oder EU-weiten) Handelsplatz das Recht erkaufen, ihre Chefetage mit überdurchschnittlich vielen Männern zu «verschmutzen». Schliesslich soll man dafür büssen, wenn in einer Firma nur Männer das Sagen haben …

Jetzt aber ernsthaft: Frau-Sein als relevanter Anstellungs-Parameter? Sollte die Auswahl für ein Geschäftsleitungsmitglied nicht primär aufgrund von Erfahrung, Talent und Ausbildung getroffen werden? Wer will und akzeptiert schon einen Chef, der nur aufgrund seines Geschlechts ausgewählt worden ist? Ist es das, was den Frauenrechtlerinnen vorschwebt? Spitzenjobs ja, weil wir Frauen sind!

Überall lauert die Diskriminierung

Mit nur etwas Phantasie lässt sich solch marktverzerrender Zertifikatshandel problemlos auf weitere, mutmasslich benachteiligte Gruppen ausdehnen. Die Statistiken zeigen zum Beispiel eine Benachteiligung von älteren Stellensuchenden. Auch Kleinwüchsige, Fettleibige und Menschen mit fremdländischen Namen haben es am Arbeitsmarkt tendenziell schwerer. All diese Umstände öffnen Spielräume für einen blühenden Handel mit Quotenzertifikaten. Statt sich auf seine eigenen Stärken und Fähigkeiten zu besinnen, glaubt man wohl bald an ein gottgegebenes Recht auf Kaderjobs. Mit eigenen Fehlern und Schwächen muss man sich gar nicht mehr auseinandersetzen.

Nein. Heute in der Zeit der Selfies und der Egozentriker ist man dermassen von sich eingenommen, dass es nur an der Diskriminierung liegen kann, wenn ein anderer einen Job bekommt, den man gerne selber haben wollte. Fast jeder hat dann eine Ausrede für das eigene Scheitern. Nur weil ich schwarz, homosexuell, Moslem, Brillenträger, oder eben eine Frau bin, wurde ich nicht berücksichtigt! Wegen Migrations- oder eben wegen Menstruationshintergrund diskriminiert sozusagen …

Büro für Geschlechterfragen

Um aber ja nicht in den Verdacht der Diskriminierung zu geraten, leistet sich der Bund (wie auch die meisten Kantone) eine eigene Abteilung für Geschlechterfragen – das Eidgenössische Büro für die Gleichstellung von Frau und Mann (kurz EBG). Natürlich ist «der» Direktor eine Frau und mit ihr zusammen hat das EBG sechzehn Mitarbeiterinnen und vier Mitarbeiter (was einer «Männerquote» von gerade einmal 20 Prozent entspricht – und dies in einem Büro für Gleichstellung …). Wer dort arbeitet, hält sich selber für besonders wichtig; er rechtfertigt die Steuermillionen für die eigene Existenz wie folgt:

«Die Unterscheidung von Frauen- und Männerberufen ist immer noch stark verankert. In typischen Frauenberufen ist der Verdienst geringer im Vergleich zu typischen Männerberufen».

Man verweigert sich so dem trivialen Zusammenhang von Entlöhnung und Wertschöpfung. Lieber konstruiert man sich einen falschen Kausalitätszusammenhang des Geschlechts. Oder sollte nach Auffassung des EBG etwa eine Coiffeuse (Frauenberuf) gleich viel verdienen wie ein Ingenieur (Männerberuf)?

Zudem: Sucht sich nicht jeder seinen Beruf freiwillig aus? Und warum würde ein geschickter Unternehmer noch Männer einstellen, wenn Frauen angeblich dieselbe Arbeit für ein tieferes Gehalt erledigen? Weiter liest man auf der Website:

«Sechs von zehn erwerbstätigen Frauen arbeiten Teilzeit, das sind 57 Prozent. Bei den Männern ist es nur jeder achte, das sind 12 Prozent».

Auch hier: Mit Mathematik kennt man sich offenbar aus, aber was man sonst mit dieser Information anstellen soll, bleibt schleierhaft. Sollen wir etwa mehr Männer zu Teilzeit-Arbeit zwingen? Oder mehr Hausfrauen und Mütter zu Vollzeitarbeit nötigen? Soll nicht jeder und jede für sich selber entscheiden dürfen, wer zur Arbeit geht und wer sich um den Nachwuchs kümmert?

Natürlich darf auch Frau Sommarugas Anliegen auf der Website des EBG nicht fehlen:

«Frauen sind im Kader stark untervertreten. Nur drei Prozent der Geschäftsleitungsmitglieder und vier Prozent der Verwaltungsratsmitglieder in börsenkotierten Schweizer Unternehmen sind Frauen.»

Gerne bedient man sich beim EBG solcher Polemik, statt dass man die unterschiedlichen Stärken und Neigungen der beiden Geschlechter akzeptiert und anerkennt. Was ist wohl das nächste, vom EBG hochgespielte Thema?

«Skandal: Im 21. Jahrhundert werden immer noch 100 Prozent der Kinder von Frauen geboren …»!

Das Eidgenössische Büro für die Gleichstellung von Frau und Mann könnte ersatzlos
gestrichen werden – und kein Mensch würde es merken.

Politische Korrektheit

Als Fazit muss man festhalten, dass diejenigen, die Quoten, Geschlechterzertifikate und Gleichstellungsbüros befürworten, offenbar nicht nur der freien Gesellschaft misstrauen, sondern auch die geschlechterspezifischen Unterschiede ausmerzen und bestreiten wollen. Wo es früher noch um eine nachvollziehbare rechtliche Gleichstellung ging, verlangt der staatlich voranschreitende Feminismus und Genderwahnsinn die Nivellierung jedes Geschlechterunterschieds im gesellschaftlichen Zusammenleben. Dazu suchen die Staatsdiener unentwegt nach neuen Missständen (zu Amtsdeutsch: nach neuem Handlungsbedarf) mit dem Ziel, immer weiter Regulierungen durchsetzen zu können.

Selbst die Sprache wird immer mehr ins Absurde verzerrt: Wenn heute bereits Fünfjährige den Begriff «Kindergartenlehrperson» zu verinnerlichen haben, muss das wahrhaftig zu denken geben. Der Fussgängerstreifen heisst Zebrastreifen, die Mannschaft darf nur Team sein – und bald ist der Muskelkater wohl eine Muskelkatze …

Langsam und schleichend übernimmt die vom Staat indoktrinierte, «politisch korrekte» Sprache unsere Kommunikation und Denkweise.

Dabei hat ein freier Mensch die staatlich auferlegte politische Korrektheit gar nicht nötig. Wir beachten längst einen Mechanismus für gesellschaftlichen Zusammenhalt: Er nennt sich «Anstand». Es gibt auch bestimmte Personen, die uns Anstand beibringen: Man nennt sie nicht Lehrer oder Staat, vielmehr «Eltern».

Ich glaube, sogar ohne aufgeblähten Wohlfahrtsstaat fangen Männer und Frauen wieder ganz natürlich damit an, zu erkennen, dass sie sich gegenseitig brauchen und ergänzen. Unsere geschlechtsspezifischen Unterschiede sind nämlich eine Bereicherung – und gerade wegen unseren unterschiedlichen Fähigkeiten und Talenten ist eine geschlechtlich ausgeglichene Geschäftsleitung kein politisches Ziel, sondern höchstens das Ergebnis einer natürlichen Selektion. Traditionelle Familienstrukturen haben sich nicht zufällig über Jahrhunderte bewährt, sie beruhen auf der Arbeitsteilung (Reziprozität), in welcher jeder die seinen Fähigkeiten besser entsprechende Arbeit übernimmt.

Wenn also eine Frau CEO werden will, dann hat sie heute das gleiche Recht und die gleichen Möglichkeiten dazu wie ein Mann. Dafür sind weder Quoten noch irgendwelche Zertifikate nötig. Nein, die Frauen, die sowas möchten, sind stark genug und schaffen das allein.

 

Comic von Martin Guhl (cartoonexpress.ch)

11.03.2016 | 1282 Aufrufe