Der aktuelle Freitags-Kommentar der «Schweizerzeit» vom 11. November 2011

Ursachen, nicht Symptome bekämpfen
Nicht der Gesunde ist krank

Von Ulrich Schlüer, Chefredaktor «Schweizerzeit»

Der Schweizer Franken bewahrt in den stürmischen Wogen kollabierender Weltwährungen seine Stabilität. Dies verursacht der Wirtschaft Sorgen. Die Stimmen, den Franken «nachhaltig zu schwächen», wollen nicht verstummen.

Bewusste Frankenschwächung: Gewiss ein untauglicher Vorschlag. Das Gerede, der Franken müsse «geschwächt werden», muss endlich verstummen. Man beseitigt eine tödliche Seuche doch nicht dadurch, dass man die noch Gesunden mit den Seuchen-Viren infiziert.

Notenpresse bewirkt Inflation
Wer die Notenpresse anwirft, ist dafür verantwortlich, dass für ein gleichbleibendes – oder infolge der sich abzeichnenden Krise sogar eher zurückgehendes – Güterangebot immer mehr Geld zur Verfügung steht. Dies bewirkt ganz automatisch Teuerung, Inflation – nicht bereits morgen, aber in den nächsten Monaten und Jahren. Inflation ist gleichbedeutend mit Enteignung des Sparers. Was der Sparer aus selbst erarbeitetem Gewinn auf die Seite gelegt hat, wird durch das Anwerfen der Notenpresse der Inflation, der spürbaren, mitunter auch sehr raschen Entwertung ausgesetzt. Alle Leistungsträger, alle Verantwortungsbewussten, alle ihr Leben selbstverantwortlich aus eigenem Verdienst bewältigenden Bürgerinnen und Bürger werden nachhaltig, unter Umständen für Generationen geschädigt.

Eine Währung zu zerrütten – eine solche «Aufgabe» ist einfach zu bewältigen. Eine Währung der Überschuldung preiszugeben – das kann jeder. Verschwendung ist keine Kunst. Einer Währung Stabilität zu verleihen, so dass sie solides, auch weltpolitischen Stürmen standhaltendes Fundament für eine funktionierende, leistungs- und konkurrenzfähige Volkswirtschaft wird – das ist eine Aufgabe, die Jahrzehnte in Anspruch nimmt, für die Generationen Zähigkeit und solide Leistung beweisen müssen.

Entlastung um 25 Prozent
Es ist heute, da Weltwährungen von Schwindsucht befallen sind, gewiss nicht die Zeit, den Franken zu schwächen – unsere weltweit als solide geachtete und geschätzte Währung zu zerrütten. Vielmehr ist die Zeit gekommen, unsere Wirtschaft von Auflagen, die ihre Konkurrenzfähigkeit untergraben, dauerhaft zu entlasten. Damit die Schweizer Wirtschaft konkurrenzfähig bleiben kann, ist ein Sofortprogramm anzuwerfen, das die Betriebe – sämtliche Unternehmen, die in der Schweiz aktiv sind – innert längstens zweier Jahre von mindestens 25 Prozent ihrer staatlichen Belastungen in Form von Gebühren, Abgaben, Steuern, vor allem auch von kostentreibenden bürokratischen Auflagen befreit.

Diese Arbeit hat die Politik jetzt vordringlichst anzupacken. Nicht Währungsmanipulation ist gefragt – Wirtschaftsentlastung heisst das Gebot der Stunde. Ab sofort! Ab heute! Die Schweiz muss – gerade angesichts der anbrechenden Krise – der ganzen Welt demonstrieren: Ertragreiches, gesichertes, vom Staat geschätztes und durch gute Rahmenbedingungen (nicht durch Subventionen!) gefördertes Wirtschaften – das ist das Kennzeichen des Wirtschaftsstandorts Schweiz, wo Bürokratie ausgemerzt, unternehmerisches Denken und Handeln geschätzt und gefördert werden. Unter solch vorteilhaften Bedingungen für Unternehmen kann die Schweiz auch mit im Vergleich zu den kollabierenden Weltwährungen solidem Franken leben. Denn diese stabile Währung garantiert, dass die Schweiz nicht in den Strudel der Inflation gerissen wird, der heute jedem Land schwerwiegend droht, das sich mittels Anwerfen der Notenpresse glaubt kurzfristig aus der Überschuldungskrise retten zu können.

Ulrich Schlüer

 

11.11.2011 | 4120 Aufrufe