Die Eröffnungsfeier des NEAT-Basistunnels ist vorbei. Würden wir die Lobgesänge ausländischer Gäste als bare Münze nehmen, dürften wir uns wohl als die besten Europäer fühlen. Zum überwiegenden Nutzen der EU bauen wir eine Flachbahn durch die Alpen und bezahlen sie selber. Die Folgelasten, wie Betriebs- und Unterhaltskosten, Lärm, Landverschleiss usw. sind ortsgebunden und gehen daher ebenfalls zulasten der Schweiz.

Ausserdem werden uns die Festivitäten weitere Millionen kosten, was allerdings, verglichen mit der rund 24 Milliarden teuren NEAT (Stand 2011) ein Klacks ist, wir wollen doch nicht kleinlich sein! Die Lobeshymnen der Prominenz aus verschiedenen EU-Staaten klingen allerdings recht heuchlerisch, da wir aus derselben Richtung seit Längerem als Trittbrettfahrer und Rosinenpicker verhöhnt werden.

Jedes Mal, wenn die Schweiz mit dem Ausland ein schwaches Verhandlungsresultat erzielt, entschuldigen sich unsere Unterhändler, wir seien eben ein kleines Land und müssten uns mit Forderungen entsprechend zurückhalten.

In den 1870er-Jahren schaffte es die Schweiz, für den Bau der Gotthardeisenbahn, Italien mit sagenhaften 53 Prozent zu beteiligen. Deutschland und die Schweiz übernahmen je 23,5 Prozent der Kosten. Dies zeigt, wie die Schweiz damals auf Augenhöhe mit ihren Partner zu verhandeln verstand. Sie stützte sich auf den Nutzen, der den Beteiligten aus der neuen Bahnverbindung erwachsen wird und nicht auf die Kleinheit der Schweiz, denn diese war damals nicht grösser als heute.

Bis heute bezahlte die EG/EU nichts an die NEAT. Darum lässt sich folgern, unsere Regierung gelangte mit diesem Begehren nie an die EG, oder es wurde miserabel verhandelt. Verträge wurden zwar abgeschlossen, allerdings eher zu unserem Nachteil. So hätte Italien die Verbindung Chiasso – Milano auf vier Spuren ausbauen sollen, doch Italien verzichtete bisher, dies zu realisieren. Gleichwohl spendet die Schweiz 120 Mio. Franken an Italien, in der Hoffnung, der italienische Teil der Zufahrtslinie Luino werde ausgebaut. Gesamthaft sagten Deutschland und Italien lediglich zu, ihr eigenes Netz so weit auszubauen, um den entstehenden Mehrverkehr aufzunehmen.

Die Alt-Bundesräte Ogi und Leuenberger äusserten sich an der Eröffnung, sie hoffen nach der allseits anerkannten, grossen Leistung der Schweiz, könne sie jetzt mit der EU auf Augenhöhe verhandeln. Echt schweizerisch, wir hoffen weiter!

Mathias Reichmuth, Küssnacht

22.06.2016 | 2164 Aufrufe