Kommentar des Chefredaktors

Mumpitz

Zugunsten der Entwaffnungs-Initiative werden überreichlich Zahlen aus – auch manipulierten – Statistiken verbreitet. Am dreistesten vom Bundesamt für Gesundheit (BAG) aus dem Departement Burkhalter, das einen Mitarbeiter – Thomas Reisch mit Namen – auf Steuerzahlers Kosten Zahlen verbreiten lässt, die an manipulativer Desinformation kaum mehr zu überbieten sind.

 Das BAG-Faktenblatt «Suizid mit Schusswaffen» behauptet nämlich, die Zahl der Armeewaffen sei zwischen 2004 und heute von 400'000 auf 200'000 gesunken. Weil die Zahl der Selbstmorde mit Schusswaffen gleichzeitig von 400 auf 230 zurückgegangen sei, sei der Beweis erbracht, dass mittels Entwaffnung der Wehrmänner die Selbstmorde mit Armeewaffen deutlich gesenkt werden könnten.

Das ist Mumpitz. Denn die Zahl der abgegebenen Armeewaffen ist zwischen 2004 und heute keineswegs reduziert worden. Reduziert wurde der Mannschaftsbestand der Armee von 400'000 Mann (Armee 95) auf knapp 200'000 Mann (Armee XXI) – weil die Dienstpflicht bis 40 (Armee 95) auf Dienstpflicht bis 32 (Armee XXI) reduziert wurde. Dies hatte die Entlassung von 200'000 über 32 Jahre alten Armeeangehörigen zur Folge – wobei diese ihre persönlichen Waffen selbstverständlich behielten. Es wurden 200'000 Waffenträger von «Armeeangehörigen» zu «ehemaligen Armeeangehörigen». Die wahre Aussage der vom BAG manipulativ interpretierten Statistik lautet: Die Schusswaffen-Selbstmorde sind bei unveränderter Schusswaffen-Anzahl deutlich zurückgegangen. Dass die Selbstmorde mit anderen Methoden (vor allem Gift) gleichzeitig zugenommen haben, verschweigt Thomas Reisch - «zufälligerweise» dem Komitee der Entwaffnungs-Initiative angehörend.

Die neutralen Selbstmord-Zahlen des Bundesamtes für Statistik lügen nicht: Von den jährlich rund 1'300 Selbsttötungen in der Schweiz werden 17 Prozent (rund 230) mit Schusswaffen herbeigeführt. Davon lediglich 9 Prozent (rund 20) mit Armeewaffen. Die Armee untersucht heute jeden aktenkundig gewordenen Missbrauch der persönlichen Waffe. Für die Jahre 2008, 2009 und 2010 sind Missbräuche festgestellt und geahndet worden. Aber absolut keiner dieser Missbräuche hat Tote oder Verletzte gefordert. Wer das Gegenteil behauptet, verbreitet Lügenpropaganda.

Die Entwaffnungs-Initiative zielt allein auf die Verantwortungsbewussten. Verbrecher, die mit illegalen Waffen kriminelle Taten begehen, also die gefährlichsten Waffenbesitzer, bleiben von der Entwaffnungs-Initiative unangetastet. Würde sich die Entwaffnungs-Initiative durchsetzen, entstünde ein faktisches Waffenmonopol für Verbrecher. Gewiss kein Beitrag an die Sicherheit der Schweiz. Deshalb ist die Entwaffnungs-Initiative abzulehnen.

Ulrich Schlüer

 

09.02.2011 | 1972 Aufrufe