Ich konnte kürzlich an einem Besuchstag einer «modernen» Unterrichtsstunde in einer zweiten Primarklasse beiwohnen. Einige Kinder mussten die 8er-Reihe üben, während andere im gleichen Raum laut schwatzend etwas anderes trieben. Die 8er-Reihe-Kinder übten nicht etwa konzentriert mit der Lehrerin, sondern man sass oder lag auf dem Boden. Einer hatte einen Zettel, und dann wurde gewürfelt – zum Beispiel «sieben» – also 7 mal 8. Jemand sagte das Resultat, und der Schreiber schrieb am Boden umständlich die ganze Rechnung auf, während die andern warteten und sich des Lebens freuten.

Konventionell organisiert wäre die Effizienz mindestens dreimal so gross gewesen. Zudem konnten sich schwächere Schüler drücken. In ein paar Jahren wird das Schlamassel offensichtlich sein – aber dann werden sich die Verantwortlichen von heute bereits zum Hinterausgang begeben oder schon aus der Verantwortung sein.

Hans-Peter Köhli, Zürich

17.05.2018 | 850 Aufrufe