„Managed Care“, „Fallpauschalen“, „New Public Management“ sind Rezepte aus Amerika, wo die Wirtschaft fast alle Lebensbereiche dominiert und die staatlichen Sozialnetze dürftig sind. Das hat zu einer ausgeprägten Zweiklassengesellschaft geführt, wie man sie in Europa nicht kennt. Dass diese Rezepte völlig versagt haben, zeigt sich vor allem in dem sehr teuren, aber desolaten Gesundheitssystem (lange Wartelisten, Millionen von Bürgern ohne Krankenkasse) und dem tiefen Niveau des Bildungswesens. Dieser Niedergang des öffentlichen Sektors kann seit Jahrzehnten in allen angelsächsischen Ländern beobachtet werden, die die amerikanischen Wirtschaftsmethoden übernommen haben. Auch die bisher weltweit grösste Wirtschaftkrise hat ihren Ursprung im neoliberalen US-Wirtschaftsystem, das seit den 70er Jahren auch bei uns Einzug gehalten hat.
 
Seither löst unter dem Vorwand des Kostensparens („Politik der leeren Kassen“) vor allem im Gesundheits- und Bildungswesen eine Reform die andere ab, verschlingt Millionen von Steuergeldern, während es den „Patienten“ immer schlechter geht und kein Therapie-Ende absehbar ist. Es geht sogar so weit, dass dem hochgelobten, aber unbeliebten „Managed Care“ Modell mit „sozialistischen“ Zwangsmassnahmen (erhöhter Selbstbehalt) zum Durchbruch verholfen werden soll. Dabei soll die Freiheit des Bürgers bei der Arztwahl und der freie Arztberuf (trotz Hausärztemangels!) vom Staat eingeschränkt werden. Warum wird trotzdem immer noch an diesen erfolglosen Rezepten festgehalten? Der hippokratische Eid verbietet jedem Arzt einen Patienten mit Medikamenten zu behandeln, die ihm schaden. Bis jetzt ist unser Gesundheits- und Bildungswesen noch nicht so weit heruntergewirtschaftet, dass es von einem globalen Konzern übernommen werden müsste, wie das in den angelsächsischen Ländern und unseren Nachbarstaaten bereits der Fall ist. Die Konzerne wären bereit, den auf dem noch weitgehend staatlich kontrollierten Gesundheitsmarkt werden laut Weltbank weltweit jährlich 3.500 Milliarden US-Dollar und auf dem Bildungsmarkt 2.200 Milliarden umgesetzt. Wollen wir es soweit kommen lassen?

Leserbrief von P. Aebersold,
Zürich

 

09.03.2011 | 1158 Aufrufe