Die EU steckt unrettbar im Schuldensumpf

Zählt man die Milliarden an Euro zusammen, die in den letzten Monaten aus der Noten-Druckpresse der Europäischen Zentralbank (EZB) sowie rein schuldenfinanziert durch Regierungsbeschlüsse einzelner EU-Länder zwecks «Konjunktur-Ankurbelung» neu auf den Markt geworfen worden sind, so erhält man mit Sicherheit eine vierstellige Milliardensumme.

Der aktuelle Freitags-Kommentar der «Schweizerzeit» vom 15. August 2014
von Ulrich Schlüer, Chefredaktor «Schweizerzeit»

Alles, was da gedruckt oder aus Neuverschuldung an zusätzlicher Liquidität auf den Markt geworfen worden ist, hätte die Wirtschaft zu substantiellen Investitionen zwecks Konjunkturbelebung anfeuern sollen. Wirtschaftswachstum um jeden Preis hiess die Losung. Begründet mit der Beteuerung, dass allein mit neuem Wirtschaftswachstum die Überschuldungskrise in der EU in den Griff zu bekommen sei. Und so rattert die Euro-Notenpresse Tag und Nacht.

Der Zauberlehrling

Die ruchloseste Aktion im Rahmen dieser hemmungslosen Aufblähung des Geldumlaufs hat der «Häuptling der EU-Zauberlehrlinge» zu verantworten, Mario Draghi, Chef der Europäischen Zentralbank. Unter Bruch aller dazu in der EU beschlossenen Regeln und Gesetze erklärte er sich bereit, selbst die marodesten Staatspapiere der schlicht rettungslos überschuldeten EU-Mitgliedstaaten in jeder beliebigen Höhe zum Nennwert «aufzukaufen» – als könne man aus purem Nichts, aus den Schuldensümpfen längst bankrotter Länder durch Zauberhand etwas scheinbar Werthaltiges herbeimanipulieren.

Was da aus der EZB-Notenpresse täglich herausfliesst, könnte nur allzu bald keinen höheren Wert mehr ausweisen als den Wert des Papiers, auf das längst zu Fiktionen verkommene Wertangaben aufgedruckt werden.

Null-Wachstum

Jetzt liegt das Resultat dieser «Wirtschafts-Ankurbelung» vor: Null! Nein – wir entschuldigen uns: Unter Null! Die Wirtschaft der EU stockt – trotz vierstelliger Milliarden-Einspritzungen – nicht nur, sie schrumpft! Selbst die (nahezu) letzte «Wirtschafts-Lokomotive» im Euro-Raum, selbst Deutschland verzeichnet neuerdings negatives Wirtschaftswachstum.

Deutschland kann seine Position als «Export-Weltmeister» zwar halten – aber aller Ertrag aus diesem Rekord wird mehr als nur aufgebraucht durch das laufende Löcher-Stopfen in überschuldeten, dem Bankrott entlangtaumelnden EU-Partnerländern, denen der Finanzhaushalt längst aus dem Ruder gelaufen ist. Und z.B. Griechenland ist nur deshalb noch «guter Kunde» der deutschen Wirtschaft, weil in Berlin seit Jahren all jenes Geld zuvor der deutschen Staatskasse entnommen und nach Athen überwiesen werden muss, das in Griechenland zum Kauf deutscher Produkte und Dienstleistungen benötigt wird. Deshalb verlottert im Land des Export-Weltmeisters die Infrastruktur, für jedermann sichtbar am fortschreitenden Zerfall der einst als Muster deutscher Qualitätsleistung geschätzten Autobahnen.

Bürokratie-Auswucherung

Es gibt zwar auch in der EU Bereiche, wo Wachstum selbst heute noch stattfindet. Wachstum, das in nicht wenigen «Betriebszweigen» gar zu überborden droht.

Nur: Dieses Wachstum konzentriert sich fast ausschliesslich auf Brüssel. Und es entspringt nicht profitorientierter Wirtschaftsleistung. Es äussert sich in Form tausender Seiten von Druckerzeugnissen auf amtlichem Papier, aus einer Flut längst nicht mehr überblickbarer Verordnungen und Erlasse – auch auf nach allen Seiten überbordenden Websites. Täglich neu erfundene Regulierungen und Gängelungsmassnahmen, z.B. zur Überwachung aller Geldflüsse, zu von Theoretikern verordneten «Energiewenden», zu hunderterlei Lebensbereichen, welche die Brüsseler Funktionäre glauben unbedingt auch noch bis in alle Details überwachen und kontrollieren zu müssen – in diesen Bürokratie-Apparaten findet Wachstum statt. Ein Wachstum, das täglich die Einstellung neuer Funktionäre erfordert, die sich im immer dichteren Dschungel der Widersprüche und Unverständlichkeiten im Brüsseler Apparat mit Geschick unentbehrlich zu machen wissen.

Einem Krebsgeschwür gleich wuchern auf diese Weise sowohl der Bürokratie-Apparat in Brüssel als auch dessen Metastasen in von Brüssel verlangten Übernahme-Bürokratien in allen EU-Hauptstädten immer weiter aus.

Es ist dieser ausufernde Selbstbedienungsladen der EU-Funktionäre, der die EU zu erdrosseln droht – und der buchstäblich Tausende von Investoren davon abhält, in diesem Irrgarten der Überregulierung zukunftsträchtige Einsätze überhaupt noch ins Auge zu fassen. Da bieten sich in Fernost weit attraktivere, weit lukrativere Möglichkeiten – wieviel neu gedruckte Milliarden Draghi auch laufend ins Euro-System hineinpumpt.

Tödlich krank

Es bedarf keiner wissenschaftlichen Kenntnis, die tödliche Krankheit, welche die EU befallen hat, richtig zu diagnostizieren: Innert weniger Monate wurden wohl über tausend Milliarden Euro in den Geldkreislauf geschüttet. Das Waren- und Dienstleistungsangebot in den EU-Ländern aber stagniert, sinkt sogar.

Die verantwortungslose Geldvermehrungspolitik aus dem Nichts bewirkt nicht bloss, sondern ist bereits reine Inflation. Raubbau an den Ersparnissen der Bürger und akute Bedrohung für alle Renten und alle Saläre. Diese gehen zwar nicht spürbar zurück. Aber für die im Markt erarbeiteten Leistungen steht heute unendlich viel mehr Geld zur Verfügung als noch vor wenigen Monaten. Preissteigerungen sind angesichts solcher Entwicklung unentrinnbar – zumindest auf dem Wohnungsmarkt bereits für jedermann spürbar.

Die Alternative

Die Schweiz sitzt – solange sie sich nicht in den dem Untergang geweihten Euro-Apparat «institutionell einbinden» lässt – glücklicherweise nicht im selben, bedrohlich schlingernden Euro-Boot. Sie hat es damit in der Hand, den eigenen Bürgern den Raub ihres Ersparten, die Erosion ihrer Löhne und Renten zu ersparen.

So begründbar die Anbindung des Frankens an den Euro damals, vor drei Jahren war, als die marktuntaugliche EU-Kunstwährung dem freien Fall anheimzufallen drohte, so brandgefährlich ist gleiche Anbindung heute, da sich der Euro über Fr. 1.20 offensichtlich zu halten vermag, Frankfurts Zauberkabinett um Mario Draghi mit der Einheitswährung indessen skrupellose Inflationierungspolitik scheinbar bedenkenlos «als einzig mögliche Lösung» vorantreibt. Solange der Franken an solche Politik angebunden bleibt, ist auch die Währungssicherheit in der Schweiz gefährdet.

In einer Zeit mutwilliger Aushöhlung selbst von Weltwährungen benötigt der Franken, soll ihm dem Euro vergleichbare Erosion seines Wertes erspart werden, ein werthaltiges Fundament. Der Schwindsucht überlassene Fremdwährungen bieten kein solides Fundament. Über Jahrhunderte, ja über Jahrtausende wertbeständiges Gold hingegen bietet jene Sicherheit, auf welchem der Franken seine Wertbeständigkeit, seine weltweit geachtete Stabilität bewahren kann.

Gold-Initiative: Zum richtigen Zeitpunkt

Die Gold-Absicherung löst zwar nicht alle Probleme. Aber sie garantiert unserem Land eine Stabilität, der die Schweiz seit Jahrzehnten ihren Wohlstand verdankt. Weil eine Politik, welche der Währung Beständigkeit sichert, sowohl im Inland – bei den Sparern – als auch im Ausland – bei den Investoren – Vertrauen und Respekt geniesst: Unabdingbare Grundlage für solide, anhaltende wirtschaftliche Entfaltung.

Der Blick auf die trostlose Währungssituation insbesondere im überschuldeten Dollar- und im heillos überschuldeten Euro-Raum verschafft Gewissheit: Die Gold-Initiative, über welche Volk und Stände Ende November dieses Jahres abzustimmen haben, kommt genau zum richtigen Zeitpunkt.

Ulrich Schlüer

 

Symbolbild: Rainer Sturm / pixelio.de

 

15.08.2014 | 5423 Aufrufe