Vom Umgang mit dem «Flüchtlingsdrama»

Die Stimmen – sowohl der Bundespräsidentin als auch der Tagesschau- und 10-vor-10-Sprecherinnen – beben hörbar, wenn das über Europa hereingebrochene «Flüchtlingsdrama» zur Sprache kommt.

Der aktuelle Freitags-Kommentar der «Schweizerzeit» vom 18. September 2015,
von Ulrich Schlüer, Chefredaktor «Schweizerzeit»

Das Schweizer Fernsehen – auf dass kritische Fragen gar niemand mehr zu stellen sich getraue – handelt das Thema seit Tagen nur noch vor dem Bild des weinenden Vaters mit einem Kind in seinen Armen ab. Dem Zuschauer wird damit verordnet, was er zu denken, zu empfinden, zu fühlen hat.

Stimmungsschwankungen

Einige dürften sich trotzdem erinnern: Die gleichen – oder zumindest ihnen gleichgesinnte – Personen berichteten mit damals demonstrativ Optimismus und Hoffnung ausstrahlenden Gesichtern vor wenigen Jahren vom «Arabischen Frühling», der endlich den Nahen und Mittleren Osten erreicht habe und diese Weltregion alsbald in den Schoss geordneter, rechtsstaatlich untermauerter, Wohlstand auslösender Demokratie führen werde…

Es ist, wie man weiss, etwas anders gekommen. Und der Verdacht ist angebracht, dass das demonstrative Strahlen der Berichterstatter damals mit der von den Meinungsmachern von heute verordneten Betroffenheit durchaus etwas zu tun hat.

Indoktrination

Gestern wie heute bestimmte und bestimmen alles andere als nüchterne, faktenorientierte Berichterstattung und möglichst an der Wahrheit orientierte Lagebeurteilung die Haltung von Politik und Medien. Nein, beide – Medien und Politik – wollen Zuhörer und Zuschauer auf das «einzig korrekte Denken», auf das «einzig korrekte Handeln» ein- für allemal festlegen. «Indoktrination» ist die Zielsetzung sowohl der etablierten Politiker wie der ihnen devot folgenden Medien. Berichtet wird, was die von oben verordneten Denkgebote scheinbar untermauert. Übersehen und unterdrückt werden jene Tatsachen, die dem konstruierten Bild der angeblichen Realität widersprechen könnten. Ein Vorgehen, das keineswegs neu ist in der Weltgeschichte. Im totalitären Sozialismus des Ostblocks dominierte es im zwanzigsten Jahrhundert jahrzehntelang. Einseitige Indoktrination charakterisiert totalitäres Handeln.

Tatsachen und Wahrheiten

Wer sich heute – losgelöst von den etablierten Medien- und Informationskanälen, durchaus mit kritischem Geist – über das grosse «Flüchtlingsdrama» zu orientieren sucht, stösst beispielsweise ziemlich rasch auf den sich explosionsartig ausbreitenden, inzwischen regelrecht grassierenden, von Schleppern vor allem in der Türkei offensichtlich perfekt organisierten Schacher mit zu Tausenden gefälschten syrischen Pässen. Er lebt davon, dass nahezu jeder, der irgendwie einen syrischen Pass zu ergattern versteht, den Zugang ins «Paradies Europa» schafft – vielleicht gar für immer. Staatsverantwortliche, die mit der von ihnen ausgerufenen «Willkommenskultur» bei den Medienkartellen zu punkten suchten, schufen den Nährboden für diesen den kriminellen Organisatoren Millionen in ihre Taschen spielenden eklatanten Asylmissbrauch. Für Medien und Politik sind diese Vorgänge tabu.

Wer selbständig sucht, stösst – in markantem Gegensatz zu den täglichen TV-Bildern – auf auffällig wenig Spuren von leidenden Frauen und Kindern. Dafür erfährt er um so mehr von rivalisierenden Gruppen – oder auch Banden unter den «Flüchtlingen», die einander handfeste, nicht selten blutige Auseinandersetzungen liefern um Plätze auf Schiffen, in Zügen, um Verpflegung, um Papiere und anderes. Auch das ein Tabu-Thema für hiesige Medien und Staatsfunktionäre.

Wer sucht, stösst auch rasch auf jene Frage, die hierzulande alle Medien und alle Regierungen ebenso peinlich einhellig wie notorisch unterschlagen: Warum bleiben alle muslimischen Völker und ihre Regierungen angesichts des grossen Leids, das über ihre «syrischen Brüder» hereinbricht, so demonstrativ mitleidlos und passiv? Warum verweigern sich die Muslime so radikal jeglicher Aufnahme, jeglicher Hilfe gegenüber ihren leidenden «Brüdern und Schwestern»?

Widersprüche

Bilder und Fragen, die so ganz und gar nicht zum stereotyp verordneten Bild angeblich «an Leib und Leben bedrohter Flüchtlinge» passen, die heilfroh wären, der Hölle, in der sie angeblich steckten, entronnen zu sein.

Wir wollen keineswegs dem Zynismus verfallen und behaupten, es gäbe unter denen, die nach Europa drängen, nicht auch persönlich bedrohte Opfer, echte Flüchtlinge. Doch solange die Berichterstattung durch die Medien und die Kommentierung durch sog. «politische Autoritäten» in der bislang zu beobachtenden starren, manipulativ herbeigeführten Einseitigkeit verharren und jeden Zweifler, ja jeden Fragesteller pauschal und umgehend in den Dunstkreis des Rassismus stellen, ist das, was sie verbreiten, nicht glaubwürdig.

Konsequenzen

Dem seinerzeit euphorisch gefeierten «Arabischen Frühling» folgte im Nahen Osten ein nie dagewesenes, viel Blutvergiessen, unendliche Zerstörung und Gewalt auslösendes Bürgerkriegs-Chaos – für Medien und Politik ein aufs Allernotwendigste reduziertes «Nicht-Thema».

Was folgt dem «Flüchtlingsdrama», als welches das Geschehen von heute uns täglich eingehämmert wird? Möglicherweise können wir schliesslich froh sein, wenn daraus «nur» eine eigentliche Explosion der Sozialhilfe-Kosten hierzulande resultiert, was – und darüber würde sich die heute immer dreister tonangebende Funktionärskaste freudig die Hände reiben – dann wahrscheinlich das Ende der Gemeindeautonomie infolge Sprengung der Gemeindehaushalte durch unbezahlbare Soziallasten einläuten wird. Und ist erst einmal die Gemeindeautonomie beseitigt, dürfte bald auch die direkte Demokratie vor Niedergang, Aushöhlung und schliesslichem Absterben nicht mehr bewahrt werden können.

Ist es das, was die uns von Politik und Medien mit bebenden Stimmen diktierte, das eigenständige Denken und Handeln lähmende Betroffenheit auslösen soll?

 

Symbolbild von Rolf van Melis / pixelio.de

 

18.09.2015 | 2696 Aufrufe