AKZENT

Claude Longchamp und die Entwaffnungs-Initiative

"Manipulation"

Im Vorfeld der Volksabstimmung über die Entwaffnungs-Initiative wurde es erneut Tatsache: Eine Umfrage, vorgelegt durch SP-Mitglied Claude Longchamp im Auftrag des Schweizer Fernsehens, hat das Stimmungsbild in der Bevölkerung massiv falsch wiedergegeben. Hohe Sympathie zur Initiative wurde angeblich festgestellt und verbreitet – insbesondere eine fast geschlossen zustimmende Frauen-Front wurde als fast unüberwindbare Ja-Bastion hingestellt, die kaum zu knacken sei.

Dichtung und Wahrheit
Diese angeblichen «Umfrage-Werte» lagen, wie sich zeigte, weit neben der Realität: Die Entwaffnungs-Initiative wurde von Volk und Ständen wuchtig abgelehnt – keine Spur von einem «geschlossenen Block zustimmender Frauen». Sind die Schweizerinnen und Schweizer eigentlich Windbeutel, die ihre Meinungen zu Abstimmungsvorlagen fleissiger wechseln als ihre eigenen Hemden? Oder werden aufgrund angeblicher «Umfrage-Werte» Meinungsbilder konstruiert und verbreitet, die viel eher die politischen Wunschvorstellungen der «Meinungsbefrager» zum Ausdruck bringen als die Realität? Stehen – präziser gefragt – diesen Meinungsumfragen Manipulations-Absichten zu Gevatter?

Longchamp weist solche Verdächtigungen natürlich vehement zurück. Trotzdem müssen sie näher untersucht werden:

Wo, wie und wann kann denn Manipulation bei einer Meinungsumfrage im Vorfeld einer Volksabstimmung stattfinden?

Vielsagende Zeitpunkt-Wahl
Auffällig und entscheidend ist: Ganz sicher die erste, nicht selten auch die zweite Umfrage zu einer Volksabstimmung wird regelmässig viele Wochen vor dem Urnengang, damit immer lange vor Beginn der eigentlichen Abstimmungskampagne durchgeführt – in einem Moment also, wo telefonisch überfallene Stimmbürger vielleicht zwar den Titel einer in ein paar Wochen stattfindenden Abstimmung vage kennen, aber gewiss nicht die Details der zur Abstimmung gelangenden Vorlage. Wie reagiert jemand, der in solcher Ausgangslage über seine Stimmabsicht, die er erst in einigen Wochen in die Tat umsetzen muss, am Telefon befragt wird? Richtig: Er fragt zurück! Er sagt, dass ihm der Titel der zur Abstimmung gelangenden Vorlage zwar bekannt sei. Man möge ihn, bevor er seine Stimmabsicht äussere, aber doch bitte summarisch aufklären, worum es bei der Vorlage, zu der er befragt würde, genau gehe.

Dies ist der entscheidende Moment, wo Manipulation äusserst leicht inszeniert werden kann – und zweifellos auch stattfindet: Erfährt der telefonisch Befragte, mit einer zur Abstimmung gelangenden Initiative wollten deren Urheber die Zahl der Selbstmord-Fälle in der Schweiz deutlich verringern, dann dürfte manch einer am andern Ende der Telefonleitung spontan Sympathie gegenüber solch menschenfreundlicher Absicht bekunden. Und schon ist er als potentieller Ja-Sager zur Initiative notiert.

So läuft’s
Und schon nährt er den von den Umfragern gehegten Wunsch, der Initiative – der die Umfrager aus andern, wohl nicht zuletzt ideologisch motivierten Gründen zum Durchbruch verhelfen möchten – Auftrieb verleihen zu können: Mit der Behauptung, das Vorhaben der Initianten geniesse in breiten Kreisen der Bevölkerung, insbesondere bei emotional reagierenden Frauen, «grosse Sympathie»

Erst Wochen später beginnt die Kampagne, welche den Stimmbürgerinnen und Stimmbürgern die Informationen über alle Aspekte einer Vorlage vollständig liefert, woraus diese schliesslich ihre Entscheidung dafür oder dagegen treffen. Dann spielen gewiss nicht mehr bloss in edles Licht getauchte angeblich hehre Absichten von Initianten eine stimmentscheidende Rolle.

«Resultats-Analyse»
Wird schliesslich, nach geschlagener Schlacht, vom Fernsehen – dem Auftraggeber der «Meinungsumfrage» – zur Kommentierung des völlig anders als vorausgesagtem Abstimmungsresultats allein der linke Autor der «Voraussage» zu deren abschliessender Kommentierung zugelassen, dann dürfte wohl der hinterste und letzte Zuschauer merken, dass da mehr manipulatives Zurechtbiegen als objektives Eruieren vorhandener Meinungen im Spiel gewesen sei.

Quintessenz: Meinungsumfragen, die zu einem Zeitpunkt vorgenommen werden, da die Kampagnen für das Pro und das Contra noch gar nicht gestartet worden sind, sind nicht bloss wertlos. Sie entpuppen sich als Versuchsfeld für Manipulatoren. Sie stehen näher bei Manipulation als bei tendenzfreier Aufklärung – besonders, wenn ihr Architekt Mitglied einer linken Partei ist.

Ein Monopolmedium, will es sich nicht versteckter Parteinahme schuldig machen, müsste die Finger von solchen Umfragen lassen. So, wie Meinungsumfragen heute von der SRG veranstaltet und präsentiert werden, sind sie Teil der Abstimmungs-Strategie der politischen Linken.

us

 

20.02.2011 | 1976 Aufrufe