Akzent

Medienlage Schweiz im Jahr 2012
Mal gross – mal nichts

Das behauptete Ereignis löste in fast allen Zeitungen und Massenmedien der Schweiz im Lauf des vergangenen Sommers süffige, plakativ aufgemachte Schlagzeilen aus: Hermann Lei, «Schweizerzeit»-Mitarbeiter und Informations-Überbringer im «Fall Hildebrand», sei von der neu in Basel als «kampfbereite Alternative» zur in bürgerliche Hände geratenen «Basler Zeitung» gegründeten Wochenzeitung «TagesWoche» als Halter einer Website mit der verwerflichen Anschrift www.adolf-hitler.ch entlarvt worden. Die besagte Zeitung glaubte Lei aufgrund dieses «Tatbestandes» denn auch folgerichtig als «halben Rassisten» anschuldigen zu dürfen.

Zwei Ereignisse

Welch gefundenes Fressen für alle Medien, die, weil damit auch der Name «Blocher» angeschwärzt würde, einhellige Empörung demonstrieren konnten gegen jene, die den als Nationalbankpräsidenten in der Folge zurückgetretenen Philipp Hildebrand bei Devisenspekulationen erwischt hatten.

Eine andere Meldung, veröffentlicht am 1. November dieses Jahres, hat dagegen keinerlei Schlagzeilen auszulösen vermocht. Einige Wenige wussten zwar, dass Hermann Lei gegen diejenigen, die ihn als Halter besagter Website und als «halben Rassisten» diffamiert hatten, Klage erhoben hatte. Der Autor der entsprechenden Zeitungsmeldung, Philipp Loser, wurde auf Ehrverletzung, der Verlag der Basler Wochenzeitung «TagesWoche» auf Persönlichkeitsverletzung eingeklagt.

Die Klage hat zu einem bemerkenswerten Vergleich geführt. In diesem Vergleich gibt der Autor des erwähnten Artikels zu, dass seine Darstellung falsch war. Er distanziert sich von seinen Aussagen und entschuldigt sich dafür in aller Form beim Betroffenen, bei Hermann Lei. Die «TagesWoche» bzw. deren Verlag, die «Neue Medien Basel AG» bezahlt Hermann Lei als Folge ihrer Fehlleistung gar eine Entschädigung von fünftausend Franken.

Zwei Reaktionen

Ein Ereignis, dem parteiische Medien freilich keinerlei berichtenswerten Charakter abzugewinnen vermögen. Was man haben wollte, nämlich die schweizweite Diffamierung Hermann Leis, hat man erreicht. Eine hinreichend faire Korrektur des einwandfrei widerlegten, von den Medien seinerzeit breit veröffentlichten Zerrbildes scheinen die Redaktoren der Verurteiler-Medien dagegen als völlig überflüssig zu erachten.

Auch ein Zustandsbericht zur Lage und Haltung der Medien in der Schweiz im Jahr 2012.

us

13.11.2012 | 1549 Aufrufe