«Alle Jahre wieder», ist man geneigt zu sagen zu dieser überflüssigen EU-Jubelveranstaltung – ausnahmslos bestückt mit Schweizer EU-Hörigen, ein paar Ministern aus EU-Staaten und fast ausnahmslos willfährigen Mainstream-Journalisten. Der einzige Exot, Markus Somm, wurde pflichtgemäss ausgebuht. Hingegen wurden Bundesrat Berset sowie EU-Botschafter Matthiessen und Co. mit frenetischem Applaus begrüsst.

Es drängen sich gewisse Parallelen zur Anschluss-Euphorie einzelner Exponenten unserer Regierung in den Dreissigerjahren auf. Selbstverständlich kann die heutige Lage der Schweiz nicht mit der Zeit des Zweiten Weltkrieges verglichen werden. Doch wäre es töricht, gewisse Ähnlichkeiten in Abrede stellen zu wollen. Die Schweiz ist auch heute ein Sonderfall in Europa – und die wirtschaftliche und politische Lage Europas werden bald ein klares Bekenntnis der Schweiz zu ihrer Selbstbestimmung erforderlich machen. Es ist zu hoffen, dass der heutige Bundesrat weniger widersprüchliche Signale als weiland FDP-Bundespräsident Marcel Pilet-Golaz aussendet. Dieser wandte sich bekanntlich ans Schweizervolk, «weil ein gewaltiges Ereignis eingetreten» sei. «Bevor Europa wiederum zum Aufstieg gelangen kann, muss es ein neues Gleichgewicht finden, welches zweifellos (…) auf anderen Grundlagen aufgebaut sein wird. (…) Der Zeitpunkt der inneren Wiedergeburt ist gekommen. Jeder von uns muss den alten Menschen ablegen.» Wo war der vielgerühmte Landigeist von 1939 geblieben? Ein Schuft, wer unserem heutigen Bundesrat ähnliche Anschlussambitionen zu unterstellen sucht.

Robert Nieth, Walchwil

09.05.2018 | 584 Aufrufe