Durchaus zu Recht wird Kritik laut: Unsere Armee werde vernachlässigt. Die Wehrbereitschaft zeige trotz gefährlicher Zeit schwerwiegende Lücken. Die Sicherheit des Landes sei beeinträchtigt. So wird seit Kurzem auf den für die Armee verantwortlichen Bundesrat, auf Ueli Maurer, geschossen.


"Spalte rechts"

Kommentar des Chefredaktors

Ein Grundpfeiler militärischer Ausbildung besteht darin, dass jedem Entschluss, jeder Feuer-Eröffnung, jeder Zielauswahl eine sorgfältige Lagebeurteilung vorauszugehen hat. Die Lagebeurteilung zum Zustand unserer Armee lautet wie folgt: Weil eine klare Mehrheit im Bundesrat die «institutionelle Einbindung», faktisch also die Unterwerfung unter Brüssel anstrebt, wird Landesverteidigung zur Quantité négligeable. Wer die Unabhängigkeit preisgeben will, verliert das Interesse an eigenständiger, die Unabhängigkeit sichernder Landesverteidigung.

Mit Ausnahme von Ueli Maurer hat sich kein einziges Mitglied der Landesregierung letztes Jahr für den «Gripen» ins Zeug gelegt. Wenn jetzt auf Ueli Maurer scharf geschossen wird – erfährt die Armee dadurch auch nur die geringste Qualitäts-Steigerung?

Anders gefragt: Soll sich – nach dem Gripen-Nein – der für die Armee verantwortliche Bundesrat schmollend der infolge des Lücken zeigenden Luftschirms dringenden Erneuerung der Luftabwehr verweigern? Aus purem Trotz gegen die Nein-Sager und ihre Motivatoren selbst in der Landesregierung? Oder soll er – im Interesse der Sicherheit des Landes – Mittel freischaufeln für diese derzeit gewiss vordringliche Aufgabe? Was ohne schmerzliche Abstriche andernorts sicher nicht möglich ist! Womit ist unserem Land besser gedient?

Armee-Geschäfte sind im Bundesrat viel zu oft sog. «Sechs gegen Einen-Geschäfte». Einer allein kämpft hartnäckig, aber allzu oft mutterseelenallein gegen ein Kollegium, das der Armee seit Jahren die kalte Schulter zeigt. Welchen Gewinn, welchen Nutzen erntet die Armee, wenn der Einzige, der im Bundesrat für die Armee kämpft, zur «lahmen Ente» geschossen wird? Lösen die Schüsse auf Maurer nicht viel eher bei den andern sechs – Gegner einer unabhängigen Schweiz – begeistertes Schenkelklopfen und höhnisches Grinsen aus, weil – statt ihrer – Ueli Maurer zur Zielscheibe blinden Schiessens wird?

Ein bisschen nachzudenken vor dem Abdrücken wäre zuweilen sogar für Armee-Freunde ratsam.

Ulrich Schlüer

11.03.2015 | 1580 Aufrufe