Eidgenossen – die modernen Gallier im Kampf gegen die EU

Die EU ist ein politisch motiviertes Instrument zur Macht-Ausweitung der Classe politique. Es wird Krieg gegen die eigene Bevölkerung geführt. Der direktdemokratischen Schweiz kommt in dieser schicksalshaften Epoche eine wichtige Rolle zu.

Von Oliver Janich, Journalist und Buchautor, München

Politik ist die Fortsetzung von Krieg mit anderen Mitteln. Diese Umkehrung eines Zitats des preussischen Generals Carl von Clausewitz mag auf den ersten Blick übertrieben klingen, doch bei Lichte betrachtet, trifft es den Kern der Sache. Der Staat bedroht den Bürger mit Gewalt, wenn dieser den Forderungen des Apparates nicht nachkommt. Wer seine Steuern nicht bezahlt, wird interniert. Wer sich der Internierung widersetzt, wird erschossen.

Für diejenigen globalen Strippenzieher, die die Entwicklung der Europäischen Union vorantreiben, ist der europäische Superstaat nur eine Vorstufe zu einem Weltstaat mit einer einzigen Zentralregierung. Dies wäre dann der totale Krieg gegen die Bevölkerung.

Machtausdehnung

Die zunehmende Zentralisierung von Macht folgt einer ganz simplen Logik. Je repressiver der Staat wird, desto mehr Bürger wollen ihm entfliehen. Die Herrscherklasse versucht ihr Territorium so weit wie möglich auszudehnen, damit sich die Bevölkerung ihrem Zugriff nicht mehr entziehen kann.

Es ist daher kein Zufall, wenn der ehemalige deutsche Finanzminister Peer Steinbrück der Schweiz mal eben mit der Kavallerie droht, wenn sich das Land nicht seinem Willen beugt. Das zeigt deutlich, dass sich Steinbrück völlig darüber bewusst ist, dass er sich in einem Krieg gegen die eigene Bevölkerung befindet. Denn natürlich ging es ihm bei seinem Angriff auf die Schweiz nicht um deren Bürger, sondern um die eigenen, die ihr Geld zunehmend vor dem Zugriff des deutschen Staates in der Schweiz in Sicherheit bringen wollten.

Das ist vorbei. Steinbrück hat die Schlacht gewonnen. Es mag Zufall sein, dass der SPD-Politiker aus der Bankendynastie der Delbrücks stammt, über deren Delbrück-Schickler-Bank schon Gelder an die Nazis flossen. Aber das ungedeckte Papiergeldsystem der Banker hat eine entscheidende Rolle dabei gespielt, die Schweiz sturmreif zu schiessen. Anfang der Neunzigerjahre nach dem Beitritt zum IWF begann die Schweizer Nationalbank Gold zu verkaufen. Je mehr der Franken die Golddeckung verlor, desto mehr ist er zum Spielball globaler Finanzkonzerne geworden – nicht selten mit Sitz in der Schweiz selbst. Die kürzlich erfolgte faktische Bindung an den Euro durch den Ankauf von Euro-Papieren hat die Schweiz endgültig von der Europolitik der EZB abhängig gemacht.

Eingliederung ins EU-Reich

Die Aufhebung des Bankgeheimnisses und die faktische Pleite der Schweizer Nationalbank, die nun in Wirklichkeit wertlose Euro-Papiere im Bestand hat, werden enorme wirtschaftliche Probleme verursachen. Dann schlägt die Stunde der EU-Fanatiker. Sie werden versuchen, den Schweizern einzureden, nur ein offizieller Beitritt zur EU würde ihre Probleme lösen. Das einzige Problem, das damit gelöst wäre, ist aber das der europäischen Steuereintreiber. Zwar wurde das Bankgeheimnis ohnehin schon de facto aufgehoben, aber aufgrund der direkten Demokratie in der Schweiz könnte dieser hirnrissige Schritt jederzeit wieder rückgängig gemacht werden. Deshalb versuchen die europäischen Globalisten die Schweiz möglichst auch offiziell ins EU-Reich einzugliedern.

So mancher wird meine Rhetorik für übertrieben halten. Sie betrachten es als harmlose Kuriosität, dass die EU die Länge einer Schnullerschnur oder die Anzahl der Schlitze in einem Toaster reguliert. Doch daran ist nichts zum Lachen. Es gibt keine gefährlicheren Menschen auf diesem Planeten als diejenigen, die die Ansicht vertreten, man könnte das Leben der Menschen zentral planen. Den Zentralplanern von Lenin über Hitler und Stalin bis zu Mao sind Millionen von Menschen zum Opfer gefallen. Dabei ist es nicht wichtig, ob diese Psychopathen wirklich an ihren Plan geglaubt haben. Entscheidend ist, ob die Bürger einsehen, dass sie keine Führer oder Bürokraten brauchen, die ihnen vorschreiben, was sie zu tun und zu lassen haben.

Angriff der Sozialisten

Gegen die Versuchungen der Sozialisten aller Schattierungen ist auch eine direkte Demokratie nicht gefeit. Auch die offizielle Staatsquote der Schweiz ist von deutlich unter zehn Prozent auf mittlerweile ein Drittel angestiegen. Bisher hat die Schweizer Bevölkerung klug reagiert und viele Angriffe auf die Freiheit des Einzelnen abgewehrt. Doch der Sozialismus ist wie eine Hydra. Schlägt man ihr einen Kopf ab, wachsen zwei neue nach. Die Zentralplanungsfetischisten reichen Volksbegehren um Volksbegehren ein. Trifft man den richtigen Ton, kommt schon irgendeine Initiative durch und die Interventionsspirale dreht sich weiter. In der Schweiz dreht sie sich nur langsamer als in der Europäischen Union. Dort verabschieden die Bürokraten einfach Gesetz um Gesetz – ohne dass der Bürger auch nur den geringsten Einfluss hat.

Je näher die Schweiz an die EU heranrückt, desto schneller dreht sich die Interventionsspirale. Und dies führt, wie schon der grosse Ökonom Ludwig von Mises, erkannt hat, irgendwann zum Sozialismus. Denn die Eingriffe des Staates führen zu vielen Problemen, die der Staat dann wieder mit weiteren Regulierungen zu lösen versucht. Im Gegensatz zu den Mainstream-Ökonomen haben die Kommunisten dies von Anfang an erkannt. Schon Lenin sagte, die Bürger müssten zwischen Besteuerung und – durch das staatliche Geldmonopol erzeugte – Inflation zerrieben werden.

In meinem Buch die «Die Vereinigten Staaten von Europa» (bitte beachten Sie auch den Bücherbestellschein auf S. 15) weise ich durch Originalzitate nach, dass Michail Gorbatschow, als er den Fall des Eisernen Vorhangs betrieb, voll bewusst war, dass die Zentralisierung in Europa automatisch in den Sozialismus münden würde. 1987 schrieb er in seinem Buch «Umgestaltung und neues Denken für unser Land und für die ganze Welt»: «Die Perestroika ist ein revolutionärer Prozess, denn es handelt sich um einen Sprung nach vorn in der Entwicklung des Sozialismus, bei der Durchsetzung seiner Wesensmerkmale ... Vom Erfolg der Perestroika hängt das Schicksal des Sozialismus, hängt das Schicksal der Welt ab.» Die Perestroika war für ihn also nur ein Mittel zum Zweck der weltweiten Verbreitung des Sozialismus. Anhänger dieser These sitzen heute an den Schalthebeln in der EU.

Der Kampf gegen die Europäische Union ist also der Kampf gegen den Sozialismus. Die Schweizer sind dabei die modernen Gallier. Ihr Zaubertrank ist die direkte Demokratie. Mögen die Schweizer diese Waffe weise einsetzen.

 

03.12.2014 | 5840 Aufrufe