Wann endlich begreifen naive Humanisten im Westen, was das islamische Kopftuch tatsächlich bedeutet? Vielleicht sollten wir doch einmal ernsthaft denen zuhören, die in ihren Familien und zum Teil am eigenen Leib erfahren haben, wie die Stellung der Mädchen und Frauen im Islam auch heute noch aussieht.

Dazu erwähne ich vier muslimische Frauen, die den Koran sehr gut kennen und mutig für die Gleichberechtigung der Frau kämpfen - und dafür auch schon mit dem Tode bedroht wurden. Sie alle lehnen dieses Symbol der Minderwertigkeit entschieden ab: Necla Kelek, deutsche Soziologin mit türkischen Wurzeln; Ayaan Hirsi Ali, aus Somalia stammende, ehemalige holländische Abgeordnete; Sabatina James, die in Pakistan eine Koranschule besuchte, heute aber als Christin in Europa lebt; Wafa Sultan, eine aus Syrien stammende Psychiaterin, die als freie US-Bürgerin kein Blatt vor den Mund nimmt, wenn sie die islamische Realität beleuchtet.

Aufgeklärte Muslime - leider sind es nicht sehr viele - unterstützen diesen Kampf ebenfalls: Der in Tunesien geborene Abdelwahab Meddeb, Professor in Paris, weist in seinem Buch «Contre-Prêches» unter anderem auf die Bedeutung in der koranischen Rechtssprechung bez. Sure 4,34 hin: Der Kommentar von Al-Baghawî, (11. Jh.) habe heute noch Gültigkeit! Auf S.265 ruft er deshalb den Frauen leidenschaftlich zu: «Femmes d'islam, pour être modernes, responsables, les égales des hommes, brûlez vos voiles!»

Diese zwei somalischen Mädchen sollen in Heerbrugg zur Schule gehen können. Wenn man ihnen aber wirklich helfen will, eine Zukunft als gleichberechtigte, gut ausgebildete Frauen in der Schweiz zu erreichen, sollte man ihren Eltern und den Mädchen erklären, wie das in unserer Gesellschaft aussieht. Dazu müssen sie momentan nur das Kopftuch abnehmen. Ist das zuviel verlangt von einer Flüchtlingsfamilie, die hier volle Unterstützung und Freiheiten geniesst, von denen man in muslimischen Ländern nur träumen kann?

Wolfgang Hebeisen,
Villars-sur-Glâne

25.06.2013 | 2233 Aufrufe