Zum «Kulturauftrag» der mit dem «Service public» betrauten Monopol-Fernsehanstalt gehöre auch die Aufarbeitung von geschichtlich Bedeutungsvollem, begründete das Fernsehen SRF die kürzlich erfolgte Zweitausstrahlung der Eigenproduktion «Ursula», die einst einen «beispiellosen Skandal» ausgelöst habe.

Kommentar «Spalte rechts», Ausgabe vom 10. November 2017

Das Machwerk beruht auf einer Novelle von Gottfried Keller, «lebt» aber nur von grobschlächtigem, mit der Reformation (Zwingli kommt darin vor) in Verbindung gebrachtem, von ausgelassenen Schauspielern platt demonstriertem tierischem Sex. Dazu verlustierte sich der Regisseur auch ausgiebig mit Fäkalien-Szenen. Im übrigen ist die von mittelmässigen Schauspielern dargebotene Handlung wirr – Gottfried Keller nur beleidigend.

Zugegeben: Wir haben uns das krude Werk nicht bis zum Ende zugemutet, schien der Regisseur – vom Schweizer Fernsehen seinerzeit aus dem «Arbeiter- und Bauernparadies DDR» importiert – doch all seine Gedanken immer bloss auf die nächstfolgende Sex-Sauerei zu konzentrieren.

Als «historisch interessant» wurde die Orgie dargeboten, weil der Regisseur all das Unappetitliche als «Protest» präsentiert habe gegen sein Regime zu Ostberlin – von dem er gleichzeitig als Star-Regisseur gefeiert wurde. Wollen die SRF-Unkulturschaffenden den Gestalter der Fäkalien-Kloake tatsächlich auf die Ebene eines Alexander Solschenizyn stellen? Solche Anmassung bedarf zweifellos eines Monopols – das Widerrede zu unterbinden ermöglicht.

In der Kommentar-Sendung zum Film trat auch noch ein Fernsehmensch auf, der seinerzeit bereits die Erstausstrahlung mitverantwortete. In der Pose des blasierten, subventionsverfetteten Besserwissers gab er «dem gemeinen Volk» herablassend zu verstehen, man habe natürlich schon damals bewusst «eine handfeste Provokation» präsentiert. Wenig später erfuhr man freilich, dass der DDR-Regisseur die sein Machwerk bezahlenden Schweizer erst bei dessen Erstausstrahlung in den Inhalt des Films einweihte.

Zu all dem Unappetitlichen bleibt eine Frage: Die Zweitausstrahlung von «Ursula» erfolgte zum «Reformationsjahr». Die vom Machwerk besonders betroffene reformierte Kirche hat die ganze Abfolge von Schweinereien wortlos hingenommen. Gibt es sie überhaupt noch – diese Kirche?

Ulrich Schlüer

13.11.2017 | 316 Aufrufe